EU will Intels Marktmacht brechen

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Die Wettbewerbskommissarin hat sich entschieden, wie Financial Times Deutschland erfahren haben will. Chipzilla habe seine Marktmacht missbraucht – die EU werde Intels Vertriebspraktiken verbieten.

Ausreichend Beweise für Intels Missbrauch der eigenen Marktstellung hätten die Kartellwächter in jahrelanger Kleinarbeit gesammelt. Und jetzt wollten sie Intels Marktmacht in Europa brechen. Es werde eine der schärfsten Entscheidungen sein, die es in der Geschichte der EU-Wettbewerbskontrolle gab.

Aus Brüssel verlautet, Intel dürfe die Chips nicht mehr mit den bisher praktizierten Hersteller-Rabatten in den Markt drücken. Werbekostenzuschüsse an Händler seien untersagt, wenn Intel sich damit exklusiv in die Läden bringen will. Neben dem Verbot der bisherigen Vertriebsmaschen droht Intel eine Geldbuße von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Das wären dann rund 2,6 Milliarden – und nicht etwa in Dollars, sondern in harter Euro-Währung.

Auch die Wir-sind-doch-nicht-blöd-Truppe von Media-Markt und Saturn bekommt ihr Fett weg. Mit welcher Strafe die Media-Saturn-Holding zu rechnen hat, steht aber noch nicht fest. Sie hatte sich offenbar seit 1999 an Intel gebunden und für das ausschließliche Verticken von PCs mit Intel drin fette Millionensummen kassiert. Und allein für 2007 eine zweistellige Millionensumme, wie Insider berichteten.

Die Entscheidung dürfte im Spätsommer verkündet werden. Intel wird zweifellos dagegen klagen – was aber keine aufschiebende Wirkung habe, weder bei den Markteingriffen der EU noch bei der Geldbuße.

Auch Intel-Boss Otellini war im März zu einer geschlossenen Anhörung nach Brüssel geladen worden und konnte die Wettbewerbshüter offenbar nicht überzeugen. Wenn es ganz schlimm käme, so war damals von ihm zu hören, dann müsse er eben “einen Scheck ausfüllen”.

(bk)

FTD

Intel-Chef stellt sich in Brüssel