Handy-TV ist gescheitert – und Vodafone hat es gemerkt

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War eben so eine Idee. Aber Geld verdienen lasse sich nicht nicht mit dem Handy als Mini-Glotze.

Den Mobilfunkern war nicht ganz entgangen, dass ihr Geschäftsmodell mit dem Tarifdschungel der mobilen Telefonie allmählich am Auslaufen war. Und statt gleich mit brauchbaren Angeboten auf das mobile Internet und Datenverbindungen zu setzen, verbanden sie hohe Erwartungen mit dem Fernsehen auf dem Handy, immer und überall. Vodafone, T-Mobile und O2 bewarben sich um die erforderliche Lizenz. Die Landesmedienanstalten aber schlugen sie dem Konsortium Mobile 3.0 zu, und dahinter stehen die Verlage Holtzbrink und Burda.

Und jetzt merkt Vodafone-Chef Fritz Joussen plötzlich, dass das gar nichts bringt mit dem Handy-TV. Und erklärte im Interview mit Financial Times Deutschland: “Das Modell eines kostenpflichtigen Angebots auf Basis eines separaten TV-Signals ist schwierig.”

Aber nicht etwa, weil ohnehin keiner Fernsehen auf dem Handy sehen will, sondern weil – Überraschung! – manche Handys inzwischen auch reguläre Fernsehsignale empfangen können: “Diese Geräte kamen überraschend und stellen ein kostenpflichtiges Abomodell infrage.”

Also, Mobile 3.0 hätte kaum noch Überlebenschancen. Und wird sie von Vodafone schon gar nicht bekommen: “Ich werde auch kein Bezahl-TV auf dem Handy unterstützen, solange die Gefahr besteht, dass Kunden dann weniger Geld für andere Dienste ausgeben.” Aha.

Aber auch wenn Handy-TV gescheitert sei, irgendwie daran mitverdienen möchte Vodafone doch noch gerne. Und zwar ganz intelligent mit eigenen Zusatzdiensten zu mobilem TV: “Wir bieten dann intelligente Software an. Die bietet eine Wiederholfunktion oder die Möglichkeit, Produkte und Dienste zu kaufen, die gerade im TV gezeigt worden sind. Etwa Songs bei Musiksendern.”

Ob die Vodafone-Kunden das wirklich wollen? Noch nicht, das ist auch Joussen klar. Deshalb will er sie auch erst mal richtig für sein Unternehmen begeistern. Durch ein Programm – wie inspiriert! – namens Inspired, das “Kunden zu Fans” machen soll.

(bk)

FTD