Wie Patentkriege den PC weniger sicher machen

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Microsoft hat sich ein Patent für proaktiven Virusschutz geschnappt. Obwohl andere Anbieter seit Jahren Software für proaktiven Schutz anbieten.

Den proaktiven Schutz (warum fällt mir in diesem Zusammenhang diese dämliche Joghurt-Werbung ein?) neu erfunden haben soll ein Entwickler namens Adrian Marinescu, der im Windows-Kernel-Team beschäftigt ist. “System und Methode für proaktiven Virenschutz des Computers” heißt die Überschrift, und Microsoft bekam das Patent am 20. Mai zugesprochen.

Aus der Sprache der Patentanwälte übersetzt heißt das schlicht und einfach: Die (Un)sicherheits-Software sieht sich an, was die potenzielle Malware treibt und vergleicht sie mit einer auf dem PC gespeicherten Liste von Antivirus-Definitionen. Soweit geht es seinen gewohnten Gang. “Proaktiv” wird es erst, wenn es keinen Treffer gab. Dann springt die proaktive Analyse ein und sieht nach, ob die Malware ähnlich einem älteren Virus ist. Wenn ja, dann haben wir doch noch einen Treffer.

Microsoft beantragte dieses Patent 2004, doch bereits seit 2003 sind proaktive Virusprodukte auf dem Markt, unter anderem von Norton und McAfee. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf das geltende Patent(un)wesen.

Für die PC-Sicherheit bedeutet es mit Sicherheit nichts Gutes. Denn die übrigen Anbieter müssen sich jetzt mit Microsofts möglichen Patentforderungen beschäftigen. Und vielleicht Umwege suchen, um “proaktiven” Schutz ohne eventuelle Patentverletzung zu erreichen. Dabei könnten Produkte entstehen, die aufgrund dieses patentrechtlichen Hürdenlaufs weniger sicher sind. Und damit nützte dieses Patent einerseits Microsoft – und andererseits den Produzenten von Malware.

(bk)

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