Wimax: Deutschland hinkt hinterher

Netzwerke

Auf der dreitätigen Wimax World EMEA wurden viele Zukunftsprojektionen für die ganze Welt präsentiert und Hemmschuhe bei der Installation von Netzen mit der Highspeed-Technik genannt. Doch obwohl die Konferenz in München stattfand, kam Deutschland kaum vor – zu viele Altlasten verhindern hier den Aufbau neuer Netze.

In den Zukunftsprognosen verschiedener Marktforscher, die auf der WiMAX-World in München vorgestellt wurden, explodierten die Zuwachsraten in den ehemaligen Sowjetstaaten, Afrika, und Mittlerem Osten, bewegten sich in gemächlicheren Bahnen im US-Markt – und sehr unterschiedlich in Europa. Da die Vorhersagen für Deutschland zu niedrig für eine statistische Relevanz lagen, konnte man es in den meisten Charts nicht einmal sehen. Die höchsten Zuwachsraten präsentierten alle für Osteuropa.

WiMAX, die Technik, die Hochgeschwindigkeits-Breitband-Verbindungen sowohl mit Festnetz-Leitungen als auch mit Mobiltechnik erlaubt, wurde in ihrer Entstehungsphase schon als Mittel gefeiert, die “letzte Meile” zu umgehen und so die Abhängigkeit von alten Telekom-Unternehmen zu verringern. Denn immerhin genügt eine einzige Basisstation, um bis zu 50 Kilometer Umkreis abzudecken (10 km bei vielen Usern).

Weltweit tue sich zwar eine Menge in Netzaufbau und Technologien drumherum, doch “bisher haben wir unsere Vorhersagen kaum erreicht”, gibt Berge Avazian von der Yankee Group zu. Das liege vor allem daran, dass das Ökosystem der notwendigen Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen in vielen Ländern noch nicht entwickelt sei. Eine der wenigen Ausnahmen sei das Clearwire/Sprint-Netz, das derzeit in den USA entsteht. Sagt es und lässt Ali Afrashteh auf die Bühne treten: den Chefarchitekten des 14-Milliarden-Dollar-Deals, der große Flächen der USA mit Highspeed-Funk versorgen soll.

Afrashteh, Vice President Access Technologies bei Sprint, erläutert, dass man schon eineinhalb Jahre zuvor ein gemeinsames großes Forschungslabor mit Intel, Google, Motorola, Nokia und anderen errichtet habe. In diesem Gebäudekomplex hätten alle Disziplinen und Unternehmen gemeinsam daran gearbeitet, das Hochgeschwindigkeitsnetz zu ermöglichen: Wenn nicht Gerätehersteller, Telekommunikations-Elektroniker, Marktforscher und mehr so gut kooperieren würden, sei das gar nicht möglich. 100 basisstationen des kürzlich angekündigten Netzes stünden schon. “und sie funktionien!”, frohlockt er.

Dass die Zukunft der Telekommunikation das mobile Internet ist, dass IT-Techniken die herkömmlichen proprietären Systeme ablösen werden und sämtliche Kommunikation auf die offenere Internet-Technik geht, haben einige Anbieter noch nicht eingesehen, meint auch Andy McKinnon, “Wimax Principal” bei Motorola. Verständnisvoll aber: “Dort, wo viele Anbieter ihre Investitionen in UMTS und andere Techniken noch verteidigen müssen, geht das eben langsamer”. Eine Zusammenarbeit der Telekommunikations-Unternehmen mit den neuen IT-Disziplinen gestalte sich da eben schwierig. (mk)

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