Adobe Acrobat Connect Pro
Barrierefreies und flexibles Webconferencing

Netzwerke

Eine besonders unkompliziert bedienbare Plattform für Webconferencing und E-Learning bietet Adobe mit Acrobat Connect Pro, das sich in Version 7 flexibler zeigt und besser an eigene Bedürfnisse anpassen lässt. PC Professionell hat sich den Service schon vor dem offiziellen Start angesehen.

Niedrige Einstiegshürden

Adobe Acrobat Connect Pro

Dass Webconferencing, Online-Kollaboration und E-Learning trotz aller verfügbaren Technologien seit Jahren eher ein Nischendasein fristen, ist in erster Linie der meist umständlichen Bedienung und Konfiguration anzulasten. Von intuitiver Bedienung und plug-and-play-ähnlichem Komfort keine Spur. Zudem sorgten technische Barrieren wie Betriebssystem- und Browserversionen, Firewalls und unterschiedliche Applikationen und Dateiformate für unnötiges Durcheinander, das Interessierte schnell verprellte. Und doch ist der Bedarf an synchroner Kommunikation in den letzten Jahren stetig angestiegen. Viel zu oft werden aber noch Dutzende unterschiedlicher Dateiversionen für Abstimmungsprozesse hin- und hergeschickt, wird rein telefonisch auf dem Trockenen argumentiert, wenn beide Gesprächspartner nicht sehen, was der andere gerade anklickt. Für Online-Kollaborationen mussten komplexe Applikationen installiert und eingerichtet werden, was nicht selten dazu führte, dass man es gleich ganz gelassen hat.

Adobe hat die Einstiegsbarrieren mit dem auf Flex-Komponenten und Flash basierenden Acrobat Connect deutlich gesenkt. Der Service, der ab Ende Mai verfügbar sein soll, bringt Funktionen für Webconferencing, Online-Kollaboration und E-Learning zusammen mit einfachster Bedienung und größtmöglicher Kompatibilität. Konferenzveranstalter und -teilnehmer benötigen lediglich eine Onlineverbindung und einen mit Flash- und PDF-Plugin ausgestatteten Browser. Schon kann es losgehen. Für die Online-Zusammenarbeit ist Application-Sharing möglich, aber nicht mehr erforderlich. Unternehmen können eine Software-Lizenz erwerben und Connect Pro als Enterprise-Version auf eigenem Server selbst betreiben. Komfortabler jedoch ist es, den gehosteten Service zu nutzen, der sich so weit anpassen lässt, dass auch ein Corporate Design integriert werden kann.

Als kostenloses Einstiegsprodukt ist Connect Now konzipiert. Mit dem ab Ende Mai offiziell angebotenen Web-2.0-Dienst konferieren bis zu drei Teilnehmer online und gewähren sich bei Bedarf Zugriff auf ihre Bildschirminhalte. Weitere Funktionen plant Adobe gegen Gebühr anzubieten, etwa Kapazitäten für mehr Konferenzteilnehmer und Webspeicher.

Alles was für Webconferenzen mit Acrobar Connect benötigt wird, ist ein Browser mit Flash- und PDF-Plugin. Schon kann es losgehen. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Vier Module: Meeting, Presenter, Training und Events

Adobe Acrobat Connect Pro

Acrobat Connect Professional umfasst vier Module: Meeting, Presenter, Training und Events. Die Frameworks laufen auf der Connect-Pro-Server-Komponente, die sich lokal installieren oder als Hosted Service nutzen lässt. Die vier Bausteine bieten dem Anwender Funktionen für Web-Konferenzen, das direkte Erstellen von interaktiven Inhalten auf Flash-Basis sowie eine E-Learning-Umgebung und einen Event-Manager.

Am häufigsten zum Einsatz kommen dürfte Meeting. Je nach Einsatzzweck lässt sich das Bildschirmlayout nach dem Baukastenprinzip mit Miniapplikationen, so genannten Pods, bestücken. Diese beinhalten dann Audio- oder Videostreams, Chats, Teilnehmerübersichten, Inhalts- oder Downloadverzeichnisse und größere Präsentationsflächen. Die Fenster lassen sich ganz im Stil des Web 2.0 auf dem Bildschirm anordnen und skalieren. Administratoren können Standardlayouts je nach Einsatzbereich anlegen und die Interaktionsrechte der Konferenzteilnehmer festlegen. Eine interaktive Whiteboard-basierte Web-Präsentation ist mit Meeting ebenso möglich wie Desktop- und Application-Sharing.

Mit Presenter erstellen Anwender Inhalte für Online-Präsentationen und Übungen oder Umfragen. Eine lokal zu installierende Komponente erweitert Powerpoint um die Optionen, einen Audiostream, einen Fragebogen, einen Flashfilm oder ein Design (Theme) für Connect Pro zu erstellen. Presenter konvertiert kompatible Materialien wie Texte, Powerpoint-Präsentationen, JPEG-Bilder oder ganze Desktop-Inhalte in das Flashformat und macht diese so für E-Learning-Anwendungen, Produkttrainings oder interaktive Marketing-Aktionen in Connect Pro nutzbar.

Die E-Learning-Funktionen sind für kleine Umfragen ebenso nutzbar wie für universitäre Online-Seminare oder Mitarbeiter-Fortbildungen und Schulungen international agierender Unternehmen. Präsentationen und die Audio-Video-Kommunikation lassen sich kombinieren mit Einzelübungen, die sofort ausgewertet und vom Betreuer überwacht werden, und Gruppendiskussionen. Veranstalter zeichnen die Sitzungen vollständig oder partiell auf, um diese in Form von Flashvideos als Podcasts oder Downloads weiterhin anzubieten. Wer eine Schulungseinheit verpasst hat oder kurz unaufmerksam war, kann diese dann nachträglich verfolgen und wiederholen.

Das Bildschirmlayout können die Anwender in Web-2.0-Manier an ihre Bedürfnisse anpassen. Miniapplikationen sind als so genannte Pods, die Widgets ähneln, integrierbar. Fenster, Größen und Positionen können in Vorlagen festgelegt oder frei eingestellt werden. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Funktionsvielfalt für den professionellen Einsatz

Adobe Acrobat Connect Pro

Die neuen Funktionen in Acrobat Connect Pro 7 sind auf die Bedürfnisse professioneller Anwender zugeschnitten. So lassen sich sämtliche Online-Features durch den Administrator aktivieren und deaktivieren sowie Web-Sessions samt Nutzerverhalten aufzeichnen, um gesetzliche Reporting-Anforderungen zu erfüllen (Compliance) oder um Live-Trainingsstunden aufzuzeichnen und später als Flashvideo über die allgemeine Website anzubieten. Zudem können Veranstalter so genannte Breakout-Rooms einrichten. Eine größere Webkonferenz teilt sich dann einen umfassenden Meeting-Raum, der zusätzliche Räume für Kleingruppen beinhaltet. Dabei sind aber alle für die gesamte Konferenz hochgeladenen Materialien weiterhin nutzbar.

Einladungen zu Meetings verschickt Connect Pro auf Wunsch auch mit den passenden iCal-Informationen, so dass Teilnehmer den Konferenztermin gleich in ihrem Outlook-Kalender eingetragen finden. Obwohl Lotus Notes in vielen Unternehmen eingesetzt wird, ist eine entsprechende Funktion noch nicht in Connect Pro integriert. Adobe verspricht aber, dies aber mit dem nächsten Release nachzuholen.

Eine Antischummel-Funktion hält Presenter jetzt für Online-Prüfungen bereit. So lassen sich die entsprechenden Fragebögen mit einem Zufallsgenerator versehen, der die Reihenfolge der Fragen ständig ändert. Sitznachbarn fällt es damit deutlich schwerer, ihre Fragen durch bloßes Abgucken zu beantworten.

Eine neue Webkonferenz (Meeting) ist binnen weniger Minuten eingerichtet und startklar. Beim Versand der Einladungen hilft Connect Pro ebenfalls. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))


Einfach loslegen

Adobe Acrobat Connect Pro

Um ein Web-Meeting über den Hosted-Service einzurichten, sind nur wenige Schritte erforderlich. Zunächst muss der Veranstalter eine personalisierte URL einrichten. Der neue Meeting-Raum erhält eine eigene URL, über die sich die Teilnehmer dann direkt einloggen können. Der Meeting-Raum erscheint in Connect Pro als Verzeichnis und lässt sich durch Titel, Beschreibung, Termin, Zeita
ngaben und Telefondaten spezifizieren.

Der Veranstalter bestimmt nun, wer an der Konferenz teilnehmen darf. Entweder er wählt eine geschlossene Nutzergruppe aus seiner Kontaktliste aus oder gewährt jedem Zutritt, der die URL kennt. Wählt sich ein Interessent auf die Seite ein, kann der Veranstalter ihn zulassen oder ablehnen. Connect Pro unterstützt Veranstalter durch das Versenden von Einladungen per E-Mail an die Teilnehmer, Moderatoren oder Mitveranstalter.

Bevor die Web-Konferenz stattfindet laden Veranstalter und Moderatoren benötigte Dokumente hoch und speichern diese auf dem Server. Welche Dokumente Teilnehmer sehen, herunterladen, bearbeiten dürfen lässt sich ebenso festlegen wie die erlaubten Interaktionen mit den einzelnen Pods. Die Datenströme selbst sind mit SSL verschlüsselt. Beginnt das Online-Meeting ist die Kommunikation per klassischer Telefonkonferenz, integriertes VoIP oder eine Multiaudio-Bridge zu IM-Clients und etwa dem Windows-Live-Server möglich.

Den Zugang zu Konferenzen und Materialien regeln Veranstalter durch Benutzer-Berechtigungen. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))


Fazit

Adobe Acrobat Connect Pro

Als kombinierter Web-Service für Konferenzen, Kollaborationen und E-Learning macht Connect Pro eine gute Figur. Die präsentierten Daten werden flüssig übertragen und der funktionsreiche Dienst lässt sich flexibel einsetzen sowie in Layout, Funktionalität, Design und Sicherheit an eigene Bedürfnisse anpassen. Die Oberfläche ist stets übersichtlich und sehr gut bedienbar. Veranstalter von Webpräsentationen sollten sich jedoch überlegen, welche Auflösung sie verwenden, da ein großer Sender-Desktop beim Empfänger aufgrund des Platzbedarfs für zusätzliche Miniapplikationen und User-Interface nur verkleinert dargestellt werden kann und so mitunter schlechter erkennbar ist. Interaktive Online-Konferenzen mit fünf bis sieben Teilnehmern sind auch über DSL kein Problem – vorausgesetzt die Teilnehmer wahren eine gewisse Gesprächsdisziplin und reden nicht alle durcheinander. Unternehmen konfigurieren ihren Connect-Pro-Server über Audio-Bridge-Adapter für den Einsatz mit professionellen Telefoniesystemen.

Der Aufwand an übermittelten Daten fällt dank der verwendeten Presentation-Foundation angenehm gering aus. Die Möglichkeit, mit Connect Pro Präsentationen für 1500 Konferenzteilnehmer zu realisieren, ließ sich im Test natürlich nicht berücksichtigen. Dass Adobe die Größe hochzuladender Dateien zunächst auf 100 MByte beschränkt, fällt im Test ebenfalls nicht ins Gewicht. Wollen zum Beispiel Designer ihre aufwändigen Foto-, 3D- oder Videodateien austauschen, werden sie kaum ein Konferenz-Tool dafür einsetzen. Aufgezeichnete Sessions und mit Presenter erstellte Materialien verursachen aufgrund der Nutzung des Flashformats nur ein geringes Datenvolumen.

Wie so oft im Business-Umfeld hängen die Kosten von der zu nutzenden Infrastruktur ab. Bis Redaktionsschluss sind noch keine Details zur Preisgestaltung bekannt. Erste Hinweise geben aber die amerikanischen Preise für den gehosteten Webservice: ein Starter-Pack für 5 Nutzer kostet 375 US-Dollar pro Monat, für 10 Nutzer 750 US-Dollar. VoIP-Audio- und Videosupport sowie weitere Funktionen verursachen allerdings zusätzliche Kosten. Im Pay-per-Use-Modell kostet das Starter-Pack 0,32 US-Dollar pro Nutzer und Minute. Tools wie Adobe Captivate für das Aufzeichen von Bildschirmvorgängen als Video oder Adobe Presenter für das Erstellen von multimedialen und interaktiven Web-Präsentationen müssen ebenfalls hinzugekauft werden.

Adobe Acrobat Connect Professional 7
Hersteller: Adobe
Internet: www.adobe.com/de/products/acrobatconnectpro
Preis: steht noch nicht fest (Connect Pro), kostenlos (Connect Now)

Erster Eindruck: gut

Das ist neu
– Optionen für die Archivierung und Bearbeitung aufgezeichneter Meetings
– Compliance-orientiertes Reporting des Nutzerverhaltens
– Arbeitsräume für Kleingruppen innerhalb virtueller Klassenzimmer
– schnelles Erstellen von Videoinhalten
– Integration in Learning-Management-Systeme von Blackboard und SumTotal
– erweiterte Organisation von Online-Klassenzimmern
– individuelles Anpassen von Trainingseinheiten und Meetings

Systemvoraussetzungen
Betriebssystem: Windows Vista, XP, 2000, 98 SE, MacOS X ab 10.2, Linux (nur Teilnehmer), Sun Solaris (nur Teilnehmer)
Browser: Internet Explorer ab 5.0, Firefox ab 1.5, Netscape ab 7.1, Safari 1.1, AOL 9 (nur Teilnehmer), Flashplayer ab 6.0.79 bzw. 7 (Linux, Solaris)
Bandbreite: DSL (Veranstalter), 56 K (Teilnehmer)
Multimedia: Mikrofon, Lautsprecher, Webcam, alternativ: Telefonanlage mit Konferenzfunktion
Festplattenplatz: keiner