Zeitungen veröffentlichen Killerspiel-Hetze

Allgemein

Die heutige Ausgabe des einschlägigen Münchner Merkur sorgt mit dem Titel-Aufmacher “PC-Spiele fördern Jugendgewalt” für Stimmungsmache.

Eigentlich hatte sich die Killerspiel-Debatte in Deutschland etwas beruhigt, nachdem entsprechende Studien Entwarnung gaben (wir berichteten). Es wurde sogar euphorisch in den Medien über das Phänomen GTA 4 berichtet, obwohl es nach typischer Politiker-Auffassung das Killerspiel schlechthin ist. Doch eine AP-Pressemitteilung über eine neue Studie konnte das Thema nicht ruhen lassen und brachte die Sache heute wieder ins Rollen. Besonders krass schnappte die erzkonservative Tageszeitung aus dem Süden nach dem Köder und machte aus der Meldung kurzerhand den Aufmacher auf ihrer Titelseite: “Studien belegen: Brutale Computerprogramme Hauptursache für Kriminalität Minderjähriger” wird da irritierenderweise in die Weltgeschichte posaunt. Die AP-News berief sich auf eine Pressemitteilung der GEO-Redaktion, die gerade im Magazin das Thema Pubertät und Jugendgewalt beleuchtet. Zitat: “…Der stärkste Risikofaktor aber ist der Konsum von Mediengewalt, und darunter stehen an erster Stelle Gewaltspiele am Computer”. Das habe eine mit 653 Schülern über zwei Jahre erstellte Studie des Münchener Schulpsychologen Dr. Werner Hopf ergeben.
In der noch gar nicht veröffentlichten Studie soll es heißen: “PC-Spiele sind bedeutsamste Ursache für Delikte wie Prügeln, Vandalismus, Mobbing oder Automatenaufbrüche.” Klar, nach ner Runde GTA wollte ich auch immer nen Automaten aufbrechen. Ganz bestimmt. Auch der Artikel von GEO Wissen ist noch nicht veröffentlicht. Die Seriösität beider Quellen, die kein einziges Spiel beim Namen nennen (und denen die Kategorie Videogames offenbar gänzlich unbekannt ist), darf angezweifelt werden. Der Münchner Merkur erwähnt immerhin ein Killerspiel: Counter-Strike. Klingt alles in allem wie ein frisch aufgebrühtes Pamphlet aus der letztjährigen Saure-Gurken-Zeit, dem manche Zeitung ohne Reflexion auf den Leim ging. (rm)
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