Thin Clients: Umweltschonende Mangel-Hardware?
IT-Schlankheitswahn

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Hersteller und Studien betonen: Thin Clients schonen die Umwelt und sind billiger bei der Anschaffung und im Betrieb. Sie sind aber nicht für alle Anwendungen geeignet.

Studie: Thin Clients haben bessere Öko-Bilanz

Wird ein Desktop PC durch einen Thin Client ersetzt, so sinken die Emissionen des Arbeitsplatzsystems um 54 Prozent. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie “Ökologischer Vergleich der Klimarelevanz von PC und Thin Client Arbeitsplatzgeräten 2008” des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT.

Im Gegensatz zu anderen Studien und Ansätzen, die die Energieeffizienz während der Nutzungsphase von IT-Geräten isoliert betrachten, untersucht diese Studie den gesamten Lebenszyklus der Geräte: Produktion, Nutzung und Recycling.

Gemischte Netze mit immer mehr Thin Clients sollen die Öko- und Kostenbilanz verbessern. Der Thin-Client-Schlankheitswahn ist wirklich billiger – aber nicht bei jeder Anwendung.

Neben einer besseren Öko-Bilanz bieten Thin-Clients weitere Vorteile, allen voran die Kosten beim Kauf und während der Betriebsphase: Da Daten und Anwendungen auf zentralen Servern liegen, lassen sich Thin Clients zentral administrieren. Im Unterschied dazu benötigt jeder PC-Arbeitsplatz eine individuelle Betreuung.

Ergebnis: 2350 Euro kostet der Betrieb eines PCs in fünf Jahren. Ein Thin Client ist mit 1690 Euro dabei. Das berechnete das Fraunhofer-Institut UMSICHT für ein Modell-Unternehmen mit 175 Arbeitsplätzen.

Thin Clients sind bei der Beschaffung und vor allem im Betrieb günstiger als PCs (Klick auf Bild=Größere Darstellung)

Weitere Vorteile: Thin Clients leben länger (fünf Jahre versus drei Jahre bei PCs), die Nutzung der Netzwerkbandbreite ist gut vorhersehbar.

Einen tabellarischen Überblick über die “Entscheidenden Vorteile von Thin Clients und Server based computing” gibt es beim Branchenverband Bitkom

Ein Nachteil ergibt sich aus der Zentralisierung: Wenn die Zentrale abstürzt, läuft gar nichts mehr. Das ist dann wie in den 80ern, als sich die Belegschaft in den Kaffeeküchen traf, wenn der Großrechner mal nicht lief.

Thin Clients machen nicht in allen Fällen glücklich. Laut Bitkom sind die Zielanwender für Thin Clients “Task Based Personal” und Personal im “Point of Service


Thin Clients: Schlecht für Multimedia

Schwächen gibt es in den Bereichen Grafikdesign, CAD und Multimedia. Da alle Bildschirminhalte vom Terminal-Server über das Netz zum Client übertragen werden müssen, ist eine flüssige Bearbeitung von Videodaten am Thin Client derzeit nicht möglich, schreiben die Autoren des Fraunhofer-Instituts, die die Studie im Auftrag von Thin-Client-Hersteller Igel Technologies erstellt haben. Auch Programmierer, die erweiterte Rechte benötigen, seien mit Thin Clients schlecht bedient.

Aufgrund dieser Unterschiede in den zu lösenden Aufgaben gehen die Autoren davon aus, dass nur 75 Prozent der Desktop PCs in Unternehmen durch Thin Clients ersetzt werden können. Eine Erweiterung des Funktionsumfangs von Thin-Clients und Server kann dieses Potenzial allerdings erhöhen.

Potenzial gibt es auch für den Thin-Client-Markt: Im Jahre 2008 sollen laut Studie innerhalb der EU zwar 27 Millionen Desktop-PCs angeschafft werden, aber nur 1,2 Millionen Thin Clients. Diese Zahl ließe sich auf 8,2 Millionen steigern, meinen die Autoren.

Das überraschende: Notebooks schlagen Thin Clients. Im stationären Einsatz spart ein Notebook 79 Prozent der Emissionen gegenüber einem PC bzw. 55 Prozent gegenüber einem Thin Client. Wobei die Autoren diese Zahlen relativieren: Notebooks wurden nicht umfassend analysiert, und die Zahlen geben nur ökologische Gesichtspunkte wieder.

Das “Entscheidungsdreieck” für optimale IuK-Systeme beinhaltet aber neben der Ökologie noch Ökonomie und Sicherheit/Performance. Und unter diesen Aspekten sind Notebooks teurer, schwieriger zu administrieren und ein Sicherheits-Leck, da leichter zu entwenden. Für mobil arbeitende Mitarbeiter sind sie trotzdem unverzichtbar.