Will die Telekom auswandern?

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Noch immer laufen der Deutschen Telekom vierteljährlich eine halbe Million Kunden aus dem Festnetz. Macht nix, meint der Tele-Obermann und träumt von zwei Dritteln Auslandsumsatz.

Im abgelaufenen Jahr habe man zum ersten Mal weniger auf dem Heimatmarkt erwirtschaftet als aus anderen Ländern. Nein, er sagte natürlich, man habe erstmals mehr Geld im Ausland eingenommen, hört sich auch besser an. Und da nächsten Donnerstag eine Hauptversammlung mit unzufriedenen Aktionären ansteht, ließ Telekom-Chef René Obermann sich im Interview mit einer Sonntagszeitung zu einer Vision hinreißen:

“Der deutsche Heimatmarkt bleibt für uns ganz wichtig. Aber das Auslandsgeschäft gewinnt weiter an Bedeutung. Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz wird weiter steigen. Ob wir dann in ein paar Jahren bei zwei Drittel oder sogar mehr sind, wird sich zeigen.”

Bis dahin muss er seine Aktionäre um Geduld bitten, nachdem seit seiner Amtseinführung im November 2006 die Telekom-Papiere von 13,50 auf 12 Euro abdrifteten: “Und ich will deutlich machen, wie sehr wir uns anstrengen, den Wert des Unternehmens zu steigern. Nur: Zaubern kann ich nicht. Das ist Kärrnerarbeit, die braucht Vertrauen und Geduld. Immerhin zahlen wir eine gute Dividende.”

Ach ja, und das exklusiv in Deutschland vermarktete Iphone (unlängst auf einen Einstiegspreis von 99 Euronen reduziert) war ein Bombenerfolg. Die Hoffnungen der Telekom hätten sich mit mehr als 100.000 verkauften Geräten erfüllt. Und auf die Flut entsperrter Geräte lässt sich der Vordenker des früheren Staatsmonopolisten nur ungern ansprechen:

“Na, Sie haben aber Freunde. Spaß beiseite, der Anteil ist sehr gering, das ist mengenmäßig kein relevantes Phänomen.”

(bk)

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung