Bringt die neue AMD-Roadmap verlorenes Vertrauen zurück?

Allgemein

Wir haben uns AMDs aktuelle Pläne im Detail angesehen. Ein Analyse von Charlie Demerjian:

AMD hat die ersten Trippelschritte unternommen, um das Glaubwürdigkeitsproblem bei den Serverleuten zu lösen. Man könnte auch sagen, sie haben sich ehrlich gemacht. Es ist das, was Intel in den dunklen Tagen der P4-Ära tat: das Vertrauen in die Roadmap wiederherstellen, weniger versprechen und es einfach machen.

Die heutige Enthüllung ist das Eingeständnis eines massiven Scheiterns, sowohl was die derzeitige Wettbewerbsfähigkeit als auch künftige Cores angeht. Aber es ist besser, als einfach weiterzumachen und so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Die beiden wichtigsten Probleme: AMD kann Core um Core nicht gleichziehen. Der mit dem Codenamen Bulldozer angekündigte CPU-Kern scheint angeschlagen oder ganz hinüber.

K10h/Barecolona kann mit Penryn nicht mithalten und noch viel weniger mit dem Big Bang namens Nehalem. Um gegenzuhalten, erhöht AMD die Standardzahl der Cores um 50 Prozent auf sechs. Mehr Die-Fläche also statt mehr Design, so wie Intel einem P4 mehr Cache spendierte. Es funktioniert, auch wenn es alles andere als elegant wirkt.

Die gute Nachricht? Es gleicht viel aus, und die aufgeteilte Architektur des Chipherstellers macht es ziemlich einfach. Die schlechte Nachricht? Intel wird ebenfalls 6-Core-Chips bringen, Nehalem verfügt über eine aufgeteilte Architektur, und die Welt steht nicht still …

Das Verschwinden des Achtkerners Montreal könnte zunächst Befürchtungen auslösen. Doch Istanbul springt ein und macht eine Menge wett. Wenn Sao Paolo und Magny-Cours 2010 eher früher als später kommen, könnte es einen wesentlichen Unterschied ausmachen. Kommen sie spät, stellt sich ihnen allerdings bereits Westmere aus der 32-Nanometer-Fertigung entgegen. AMD hat allen Grund der Welt, rechtzeitig zu liefern und die Erwartungen zu übertreffen.

Beunruhigend ist die Sache mit Bulldozer. Es fiel schon auf, als er im letzten Dezember nicht in den Roadmaps zu finden war. Inzwischen stellte sich das Ausmaß der Probleme heraus. Bulldozer könnte technisch sehr wohl alle Erwartungen erfüllen, aber er lässt sich nicht in 45 Nanometer realisieren. In 32 nm aber ist er kaum vor Ende 2010 denkbar.

Im wesentlichen muss AMD bis 2010 oder 2011 mit dem auskommen, was heute da ist. Damit sind jetzt nicht viele Benchmarks zu gewinnen, während Intel Ende 2008 mit einem gewaltigen Sprung an CPU-Power aufwartet. Intel braucht die nächsten Jahre gar nicht viel zu tun, um locker in Führung zu bleiben. Ich schätze, sie werden den Low-End-Bereich AMD überlassen und die High-End-Gewinne einsammeln, während sie hoffentlich nicht zu fett und träge werden.

AMD hat sich diese Core-Probleme selbst eingebrockt. Nachdem die Firma das Barcelona-Debakel im wesentlichen hinter sich hat, wirkt Shanghai wie ein kleiner Schritt nach vorne, und wie ein problemloser kleiner Schritt. Jede Menge Muster sind bereits in aller Welt, und es sieht nach einem ordentlichen Zugewinn an Performance aus.

Wenn AMD das in größere und größere Schritte umzusetzen vermag, dann kann die Firma das Vertrauen zurückgewinnen, wettbewerbsfähigere Produkte liefern und vermutlich überleben. Wenn sie es noch einmal vermasseln, hilft ihnen nichts und niemand mehr. AMD hat eine vernünftige und vor allem machbare Roadmap vorgelegt. Sie müssen sie jetzt umsetzen – oder untergehen.

(von Charlie Demerjian/bk)

The Inquirer UK

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