Das seltsame Spiel des Jerry Yang

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Nachdem ihm die Wall Street in die Weichteile trat (verbal wie mit Kursverlusten), beteuert der Yahoo-Boss seine Unschuld – und lädt Microsoft wie auch andere zu neuen Gesprächen ein. Äh?

“Wir haben nicht gesagt, dass wir eine Take-it-or-leave-it-Position vertreten und nicht weiter verhandeln würden”, weinte sich Yang bei der Financial Times aus. “Wir wollten diese Transaktion wirklich durchführen, und nun sind sie abgezogen.” Ja, sehr glaubwürdig, Jerry. Dabei hat es am Wochenende ein strömendes Freudenfest in der Zentrale gegeben, weil man Bulldozer-Ballmer in die Flucht geschlagen hatte. Die schmerzhafte Quittung an der Börse (wir berichteten) und die massive Kritik in der Wirtschaftspresse hatte Yang wohl nicht bedacht. Seine jetzige Haltung und die Beteuerungen wirken wie die eines erschreckten Kindes… Vielleicht wurde ihm auch gerade klar, dass er nun den Karren selbst aus dem Dreck ziehen muss.
“Ich bin extrem wütend über Jerry Yang und den sogenannten unabhängigen Verwaltungsrat”, schimpfte Gordon Crawford, Portfolio-Manager beim größten Yahoo-Anleger Capital Research Global Investors, in der Financial Times. Sein Unternehmen hält rund 16 Prozent. Und nun müsse er sich anschauen, wie das ganze Drama von vorne anfängt, denn gerade lädt Yang zum zweiten Akt ein: “Wir sind bereit für alle Alternativen. Wir haben einen Weg aufgezeigt, Yahoo zu kaufen. Wenn es das ist, was Sie wollen, sind wir offen für ein Gespräch.” Sofern der Preis nur hoch genug ist. was?
Der Yahoo-Mitbegründer hofft wohl, noch vor dem 3. Juli brauchbare Offerten auf dem Tisch zu haben. Dann würde es ihm leichter fallen, sich auf der Hauptversammlung gegenüber den erbosten Anlegern zu rechtfertigen. (rm)

Bloomberg

Financial Times