Warum Xobni sich nicht von Microsoft kaufen ließ

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Nicht nur Yahoo duckte sich weg, als Ballmer kam. Als Microsoft mit Millionen nach dem kleinen Startup Xobni warf, suchten dessen Gründer ebenfalls das Weite.

Sie verhandelten wochenlang und unterschrieben sogar eine Absichtserklärung, in der sie bestätigten, gerne von Microsoft übernommen werden zu wollen. 20 Millionen wollte Microsoft für Xobni locker machen, was den Gründern jeweils ein paar schnell verdiente Millionen eingebracht hätte.

In den weiteren Gesprächen mussten sie jedoch erfahren, dass es völlig unklar war, was sie selbst bei Microsoft erwarten würde. Das ganze Team sollte nach Redmond umziehen. Nur vage Antworten erhielten sie auf ihre drängenden Fragen, was mit ihnen und ihrem Produkt geplant sei. Das war ihnen nicht genug. Sie befürchteten, wie andere Entwickler einfach nur assimiliert zu werden und in der 30. Unterebene einer ausufernden Bürokratie zu versacken.

Und sie befürchteten wohl zu Recht, Xobni würde am Ende nur ein Feature von Outlook. Dabei hatte Bill Gates selbst das Programm auf Microsofts Entwicklerkonferenz in San Jose vorgestellt und es als “nächste Generation des social networking bezeichnet. Die Xobni-Gründer erkannten jedoch noch rechtzeitig die Zeichen und sagten die Übernahme ab, um selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen.

Heute stellt Xobni nun das eigene Produkt vor, ein Plug-In für Microsoft Outlook. Das soll aus Microsoft Outlook machen, was Microsoft nicht zustande bekam. Mitbegründer Adam Smith: “Wenn man heute Outlook benützt, dann ist das, als starte man mit einem VW Käfer in den Weltraum. Die Leute setzen es all diesen Belastungen aus, für die das Programm ursprünglich nicht ausgelegt wurde.”

Die Klage der meisten Benutzer von Outlook sei, dass es bei intensivem Einsatz langsamer werde und immer schwieriger, nach E-Mail-Adressen und Telefonnummern zu suchen. Xobni (” inbox” rückwärts und etwa Zob-nii ausgesprochen) geht das an, indem es alle E-Mails in Outlook indiziert, um sie schnell und mühelos durchsuchen zu können. Die Entwickler nennen ihr Programm einen “intelligenten Filter”, der zum Beispiel automatisch die Telefonnummer zeigt, wenn man nach dem Absender einer Mail sucht.

Die Ambitionen der Firma gehen jetzt weit über Microsoft Outlook hinaus. Im Februar kam Jeff Bonforte, ein 35-jähriger früherer Vizepräsident von Yahoo, als CEO zu Xobni. Er will Xobnis Errungenschaften auch für Web-basierte Dienste wie Yahoo Mail und Google Mail sowie für soziale Netzwerke wie Facebook und Linkedin anbieten. Er stellt sich das so vor, dass die Software bei der Eingabe eines Namens in die Xobni-Suchbox E-Mails, Instant Messages und andere Formen von Online-Kommunikation des Betreffenden findet, selbst wenn sie über verschiedene Web-Dienste erfolgten. Gut für Xobni ist dabei, dass Web-basierte E-Mail-Dienste wie Gmail schneller wachsen als das Desktop-basierte Outlook.

Wie gut, dass Xobni nicht von Microsoft gekauft wurde.

(bk)

New York Times

Techcrunch