Warum vergisst Microsoft Yahoo nicht einfach?

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Sogar die Moral der eigenen Truppen lässt zunehmend nach. Und es wird schon vernehmlich über einen möglichen Abgang von Oberbefehlshaber Ballmer geredet.

Das Wall Street Journal hörte davon, die Manager in verschiedenen Microsoft-Abteilungen seien ganz anderer Meinung als ihr CEO, was die lautstark und aggressiv angekündigte Übernahme von Yahoo angeht. Und ihre ablehnende Haltung nehme zu, während bei Microsoft die jährliche Budgetplanung ansteht.

Die ausgewiesene Microsoft-Kennerin Mary Jo Foley hat ebenfalls gehört, wie es im Moloch rumort. Die meisten Softies wagten es zwar noch nicht, das klar zu äußern, aber es sei die vorherrschende Stimmung in den Rängen hinter Ballmer. Hinter vorgehaltener Hand bekam sie Äußerungen zu hören wie diese:

“Niemand will, dass es zu der Microsoft-Yahoo-Fusion kommt. Der einzige Grund, warum darüber nachgedacht wird, ist das so ineffektive Management von Windows Live. Deshalb bekommen sie überhaupt nichts aus der Tür, dessen Einsatz sich lohnt. Sie hinken ständig hinter dem her, was die Verbraucher wollen, und anders als Microsoft in den alten Zeiten sind sie so schlecht geführt, dass sie nicht mal mehr alle anderen kopieren können.”

Foleys Schlussfolgerung: Wäre sie Microsoft, würde sie einen guten Teil der für Yahoo vorgesehenen rund 40 Milliarden $ nehmen und eine SWAT-Einheit anheuern, um bei Windows Vista nachzuhelfen. Denn Windows bringe noch immer ein Drittel von Microsofts Umsätzen und zwei Drittel des Gewinns, während die Online-Dienste bislang nur ein schwarzes Loch seien. Kippten aber Microsofts Melkkühe vorzeitig um, werde es auch keine Zukunft der Online-Dienste geben, um die man sich in dieser Firma sorgen müsse.

Debattiert wird auch darüber, ob Microsoft und Ballmer “Gesichtsverlust” drohe, wenn sie von der geplanten Yahoo-Übernahme abrückten. Und weil so etwas noch immer eine entscheidende Rolle spielt, geht das Drama eben weiter bis zum vielleicht bitteren Ende.

Nicht mehr auszuschließen ist inzwischen auch das Ende der Karriere von Steve “fliegende Stühle” Ballmer. Der bloggende Wagniskapitalgeber Paul Kedrosky machte eine deutliche Ansage: “Dies ist eine Firma, die einen absolut wichtigen Produktwechsel vermasselt hat. Und das ist ganz überwiegend dem CEO vorzuwerfen.”

Dabei sei das Vista-Desaster nur die Spitze des Eisbergs. Auch die geplante Milliardenübernahme von Yahoo habe Ballmer von Anfang an falsch gehandhabt. Und wie es Betsy Schiffman bei Wired im Klartext sagte: “Andere CEOs wurden schon für viel geringere Vergehen gefeuert.”

(bk)

Mary Jo Foley bei ZDNet

Wired