US-Gesetzesentwurf verknüpft Bildschirmgewalt mit Terrorismus

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Was über den Geschmackshorizont einer Gemeinde hinaus geht, sollte danach als Terrorursache geahndet werden können.

Im mutmasslich agrarisch geprägten US-Bundesstaat Arizona wurde aktuell ein Gesetzesentwurf diskutiert, der Personen, die “gefährliche oder obszöne” Inhalte in Film, Musik, Spielen und selbst Texten verbreiten, für etwaige Gewalttaten oder Terrorakte haftbar machen. Die Grenze des guten Geschmacks wird dabei vom sogenannten Miller-Test definiert, der Obszönität an der Moralvorstellungen einer heutigen Gemeinde orientiert. Wäre das Gesetz in Kraft getreten, hätten reaktionär eingestellte Richter reihenweise Literaten, Regisseure, Gamedesigner, Musiker ins Gefängnis schicken können. Das Konzept vom Orwell‘schen Gedankenverbrechen wäre in der Gegenwart angekommen. Nur: Das Arizona Senate Judiciary Committee hat den Entwurf mit 4:2 Stimmen abgelehnt. Immerhin. Aufklärung und Vernunft, reloaded. Die Initiatoren des Entwurfs wollen allerdings weiter für ihre Überzeugungen kämpfen und nächstes Jahr wieder eine Runde Lobby-Arbeit einlegen. Unseren geschätzen Lesern möchte ich allerdings anraten, sich jetzt nicht mit wohligem Gruseln in den Computersessel zurückzulehnen und die rückständigen Bewohner des US Bible Belt zu belächeln. Unsere eigenen deutsch-nationalen Familienwerte-Fundamentalisten sind nicht viel besser. [fe]

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