Plötzlich grübelt Apple über Musik-Flatrates nach

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Was schert mich mein Gelaber von neulich, denkt sich offenbar Steve Jobs, und verhandelt fleißig mit den großen Plattenverlagen über ein Abo-Modell.

Wie ein Kabarettist zog er über Pauschal-, Abo- und Flatrate-Modelle der Konkurrenten her. Das war gestern. Heute will der große Steve urplötzlich selbst eine pauschale Musik-Abolösung auf die Beine stellen: Einmal im Monat sollen die Kunden zahlen und dann beliebig viel Musik in ihrem iTunes-Account lauschen dürfen. Sein eigener Hauptkritikpunkt — die Kunden möchten die Song unbedingt besitzen, nicht nur fürs Zuhören zahlen — scheint operabel entfernt worden zu sein. Nicht, weil sich die Kundenwünsche verändert hätten, sondern weil die Dynamik der sterbenden Musikindustrie Apple in die Todesspirale zwingt: Im vielleicht letzten Aufbäumen werfen die Majors nun mit Tonnen von ungeschützten MP3-Songs um sich. Ein Verhalten, welches das klassische iTunes-Geschäftsmodell gefährdet. Also versucht der leichtfüßige Steve Jobs diesem Schlag ins Kontor auszuweichen und flugs sein Geschäftsmodell umzustellen. Und auch gleich zu vergessen, dass er selbst für “freie Musik ohne DRM” getrommelt hatte. Ob ihm das peinlich ist? Egal, er will nur das ertragreiche Gespann iTunes/iPod sichern, denn von deren dominanter Marktstellung hängt für Apple vieles ab.
Jobs Vorschlag gegenüber den Musikverlegern soll laut US-Berichterstattung folgendermaßen lauten: Ein iPod-Käufer wählt direkt im Laden ein Abo-Modell (zwischen 20 bis 100 Dollar im Monat). Dafür gibt es dann entsprechende Musik-Pakete – im Maximalfall voller Zugriff – via iTunes für ihn. Und die Rechteinhaber erhalten ihr Scherflein an den Abogebühren.
Klappt das, hätte Apple seinem Hauptkonkurrenten Amazon.com wieder etwas voraus. Und würde auch gleich Nokia, die ähnliches planen, den Wind aus den Segeln nehmen – zumal nur 7 Prozent aller Handy-Besitzer auch Musik übers Mobiltelefon hören. Nachteile? Na, für jene Abonnenten, die nach der Vertragslaufzeit nicht mehr auf ihre Lieblingsmusik zugreifen dürfen. Und natürlich – wie immer – für die Musiker selbst, die bei diesem Modell noch weniger Tantieme sehen dürften als sonst schon. (rm)

ValleyWag

Apple und der „unbegrenzte“ Musikgenuss