Wissenschaft: Umdenken bei Piraterie

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Experten: Man müsse zwischen Kopie als Ersatz von Kauf und Kopie als Kaufanreiz unterscheiden.

Auf der Jahreskonferenz der Royal Economic Society, die vom 17. bis 19. März an der University of Warwick in Coventry, Nordengland, stattfand, hielt Wirtschaftswissenschaftlerin Karen Croxson eine Aufsehen erregende Rede.

Sie warnte vor einer pauschalen Verurteilung von Privatkopien und deren Verbreitung via Internat als Piraterie. Tatsächlich, so die Forscherin, müsse man zwei “Piraten”-Gruppen unterscheiden. Die eine Gruppe kopiert digitale Produkte und würde sie (zum Beispiel aus Geldmangel im studentischen Haushalt) auch unter anderen Umständen nicht kaufen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung liegt darin, dass sie als Multiplikatoren wirkt: sie empfiehlt kopierte Produkte weiter, selbst wenn sie selbst nicht als kommerzielle Zielgruppe zur Verfügung steht.

Die zweite, wirtschaftlich interessantere Zielgruppe besteht aus Personen, die auf Grund von Kopien dann die Originalprodukte erwerben, Kopien also als Werbemittel rezipiert. Als positives Beispiel für die Ökonomie kostenloser Kopien zugunsten gesteigerter Umsätze führt Frau Croxson die Software-Industrie an: hier dient die nicht-lizensierte Verbreitung von Programmen zur Marktdurchdringung.

Eine reine Verurteilung und Kriminalisierung von “Piraterie” führt laut Frau Croxson zu Verlusten bei Zielgruppen und zukünftigen Umsätzen. Ein Umdenken ist also nötig, gerade angesichts der weiteren Digitalisierung unseres Wirtschaftslebens. [fe]

Autor: fritz
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