NFC: Zusammenarbeit verschiedener Branchen entscheidend für Markterfolg
Near Field Communication macht Handy zum Alleskönner

IT-ManagementIT-ProjekteMobileNetzwerk-ManagementNetzwerkeSmartphone

Eigentlich logisch, das Handy als ein Immer-Dabei-Gerät auch als Geldbörse oder Fahrkarte zu nutzen – mit Hilfe von Near Field Communication im Vorübergehen. Und durch die Kombination von NFC und SIM-Karte soltlen sicherheitsrelevante Daten im Handy gut aufgehoben sein.

NFC-Chip und SIM-Karte ergibt “Secure NFC”

NFC: Zusammenarbeit verschiedener Branchen entscheidend für Markterfolg

Die Deutsche Bahn will den Fahrkartenkauf mit Hilfe der drahtlosen Funktechnologie ganz einfach machen, (PC Professionell berichtete): Im kürzlich gestarteten Pilotprojekt Touch&Travel können 200 Testpersonen ihr Handy – durch NFC zum aktiven Lesegerät geworden – beim Ein- und Aussteigen an den “Touchpoint” halten. Das sind Plakate, die überall in den Bahnhöfen der Teststrecke hängen.


Das Touch&Travel-Projekt der Bahn ist die erste NFC-Anwendung in Deutschland

Diese Plakate enthalten passive NFC-Transponder, deren Informationen sich das Handy als aktives Lesegerät ausliest und daher weiß, wo Herrchen und Frauchen ein- bzw. ausgestiegen sind. Die Kommunikation mit dem Hintergrundsystem managt das Handy selbstständig per GSM, und die Rechnung kommt per Post.

Praktisch. Aber auch sicher? Entscheidender Faktor für den Erfolg der NFC-Anwendungen ist die Sicherheit, betonen Branchenkenner immer wieder und setzen dabei auf “Secure NFC“. Das Konzept: Im Handy gibt es einen NC-Chip plus ein sicheres Element, in dem die Anwendungen und die Daten verschlüsselt liegen. Das kann ein dedizierte Chip sein oder einfach die SIM-Karte. Im Projekt Touch&Travel liegen die Fahrkarten-Informationen auf der SIM-Karte.

Die Daten selbst werden im Rahmen einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sicher übertragen, das heißt, auf dem Touchpoint und auf dem Handy liegen die gleichen Sicherheitsbausteine, betont Steffen Steinmeier, Global Business Development Manager bei NXP Semiconductors.

Ticketing und Bezahlen gelten als die ersten Anwendungen von NFC. Möglich ist aber noch viel mehr: Zum Beispiel könnte sich der Kunde, der mit dem NFC-Handy ein komfortables Interface mit Display und Tastatur zur Verfügung hat, mit dem er auch noch online ist, spontan Veranstaltungs-Infos von einem Plakat herunterladen und anschließend das Ticket dazu aufs Handy laden und gleich bezahlen.

Außerdem ermöglicht NFC die aktive Kommunikation zwischen zwei Partnern im Peer-to-Peer-Verfahren, geeignet für den Austausch von Fotos oder Filmen.


Standards kurz vor dem Abschluss

NFC: Zusammenarbeit verschiedener Branchen entscheidend für Markterfolg

Als Voraussetzung für die Marktverbreitung von NFC sieht Steinmeier den Abschluss der Standardisierung der Schnittstelle zwischen dem NFC-Chip und dem sicheren Element im Handy, auf dem die Daten liegen, also der SIM-Karte oder einem Extra-Chip. Die Standardisierung des Secure Wire Protocols (SWP) sei inhaltlich fertig und soll Ende des 2.Quartals von der ETSI abgeschlossen sein. Dies sieht er als eine Voraussetzung dafür, dass Handy-Hersteller einheitliche Produkte herausbringen können.


Die Standard-Organisation ETSI feiert ihren 20. Geburtstag – und arbeitet derzei an einem Standard zur sicheren Datenübertragung für NFC-Techniken in Handys und RFID-Chips

Nur wenn das der Fall ist, wird NFC für Endkunden attraktiv: Denn nur dann können sie ihre SIM-Karte, auf der ja ihre NFC-Anwendungen und Daten in Zukunft liegen sollen, mitnehmen, wenn sie ihr Handy wechseln, betont Steinmeier.

Sein Unternehmen hat 2002 gemeinsam mit Nokia NFC entwickelt und auch an der “Technischen Richtlinie RFID” mitgearbeitet, die derzeit im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik entwickelt wird. Die TR RFID beschäftigt sich unter anderem mit dem sicheren Einsatz von NFC im öffentlichen Personenverkehr; eine Referenzimplementierung ist besagtes Projekt Touch&Travel der Deutschen Bahn.

Viele Akteure aus unterschiedlichen Bereichen müssen kooperieren, wenn NFC zum Markterfolg werden soll. So sind bei Touch&Travel neben der Deutschen Bahn dabei: Giesecke und Devrient, Vodafone, Motorola, NXP Semiconductors, die Verkehrsbetriebe Potsdam GmbH, die Berliner Verkehrsbetriebe sowie die Technologiepartner ATRON electronic.

Wenn NFC populär werden will, werden Kunden mehrere Anwendungen aus unterschiedlichen Branchen auf dem Handy haben: Von der Bank, von Transportunternehmen oder von Kinos oder Theatern. Dann entstehen ganz neue Anforderungen, zum Beispiel die Verteilung der Anwendungen auf das Handy der Nutzer und regelmäßige Updates. Außerdem ist es äußerst hilfreich, wenn jemand die Anwendungen beim Verlust des Handys schnell zentral sperren kann.


NFC: Neues Geschäftsmodell entsteht

NFC: Zusammenarbeit verschiedener Branchen entscheidend für Markterfolg

Hier entsteht ein gerade neues Geschäftsmodell: Eine “Trusted Third Party” soll als Mittler diese zentrale Position ausfüllen – eine Aufgabe, die technisch kein Problem darstellt, wohl aber organisatorisch, betont Steinmeier.

Getestet wird dieses Konzept derzeit zum Beispiel in einem Pilotprojekt in der Türkei, das die mobile MasterCard namens PayPass als NFC-Handy-Anwendung testet. Die Rolle der Trusted Third Party hat dabei ein Joint Venture namens Venyon übernommen, das die zentrale Verteilung der Anwendung “Over the Air” (OTA) über das Mobilfunknetz leistet. Venyon wurde von Giesecke und Devrient und Nokia gegründet.

Hierzulande ist mit ersten kommerziellen NFC-Anwendungen Ende 2008 / Anfang 2009 zu rechnen, schätzt Giesecke & Devrient gegenüber IT im Unternehmen. Abhängig wird dies sowohl von der Verfügbarkeit NFC-fähiger Mobilfunkgeräte sein, als auch von einer ausreichenden Infrastruktur für kontaktlose Lesegeräte. Doch hoffentlich werden hier die Anwendungen nicht im bekannten Henne-Ei-Deadlock stecken bleiben – wo jeer Hersteller auf den anderen wartet.