Musikindustrie sieht Boden des Eimers

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Kein Witz. So etwas sagen deutsche Topmanager wirklich. Wie soll da die Misere enden?

“Wir beginnen, den Boden des Eimers zu sehen”. Klingt spannend, was der Vorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny, gestern in Berlin öffentlich erklärte. Was meint der Mann? Naja, im letzten Jahr sanken die Umsätze derjenigen Musikfirmen, die Mitglieder der IFPI Deutschland sind, gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent auf immerhin noch 1,65 Milliarden Euro. Bei den Downloads digitaler Kopien ging es dagegen vorwärts, sie nahmen um 40 % auf ein Umsatzvolumen von 35 Millionen zu. Hauptumsatzmotor blieb unverändert die klassische CD, mit rund 149 Millionen verkauften Exemplaren. Gestützt auf die bislang nicht öffentlich erhältliche GFK-Brennerstudie und ihre Befragung von Bundesbürgern geht die Musikwirtschaft davon aus, dass 2007 nur noch 312 Millionen Musikstücke unbezahlt aus dem Internet geladen wurden, während man 2006 von 374 Millionen ausging. Wohlgemerkt: diese Zahlen sind Hochrechnungen dessen, was ein paar tausend Leute gegenüber einem Interviewer angegeben haben. Anders als US-Kollegen, die eingesehen haben, dass solches Tun sinnlos ist und eine Kulturflatrate die Lösung sein könnte, fantasiert sich der IFPI-Geschäftsführer Stefan Michalk die Lage zurecht: “Wenn es gelingt, das Problem der Internetpiraterie weiter in den Griff zu bekommen, könnte es nach sieben harten Jahren 2008 vielleicht eine Trendwende geben”. Na dann viel Glück, und weiterhin angenehme Träume. [fe]

FTD