Linux-Desktop-Oberfläche Gnome 2.22 mit Effekten

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Das kann nicht nur Windows Vista: Hübsche Desktop-Effekte gibt es mit Gnome 2.22 jetzt auch auf Linux und Unix. Nebenbei haben die Programmierer das Innenleben gründlich renoviert.

Am Desktop der Linux-Oberfläche Gnome verändern sich in Version 2.22 zahlreiche Dinge. Die neuen Compositing-Effekte für die direkte Integration in den Gnome-Fenstermanger Metacity können zum Beispiel Schatten am Fenster anzeigen, beim Programmwechsel per ALT-TAB Vorschauen zeigen und mehrere Fenster transparent übereinander anzeigen. Wie bei Vista benötigt man starke Hardware für die Effekte – daher sind sie standardmäßig erst einmal deaktiviert. Die neue Version widme man dem bei einem Motorra-Unfall verstorbenen Gnome-Entwickler Raphael Higino aus Brasilien.

Passend zur insgeheimen Vista-Konkurrenz: kommt die neue Version der Linux-Oberfläche mit zahlreichen neuen Programmen auch im Multimediabereich. So kann das Programm Cheese Bilder von einer angeschlossenen Webcam aufnehmen und Fotos mit Effekten verändern. Der Videoplayer Totem leistet nun bessere DVD-Wiedergabe und kann zudem DVB-T-Fernsehen verarbeiten. Gnome 2.22 liefert noch weitere Multimedia-Erweiterungen, zum Beispiel für MythTV und YouTube. Und die integrierte Uhr im Desktop kann nun als Weltzeituhr betrieben werden,

Auch für Profis gibt es Neuerungen: Das neue Netzwerktool Vinagre etwa kann Rechner mit Desktop-Freigaben im Netzwerk automatisch erkennen und sie als Bookmark ablegen. Die Entwicklungsumgebung Anjuta schließlich, die mit Debugger und Oberflächendesigner kommt, ist jetzt Teil des Gesamtsystems.

Das E-Mail-Programm Evolution liest nicht nur Mails, sondern auch Daten aus Google Calendar. Google Mail nachgeahmt sind die Markierungen für Nachrichten, diesmal allerdings auf Client-Ebene. Auch der Spamfilter soll verbessert worden sein, neue Dokumentenbetrachter etwa für PDFs machen Gnome zu einer ebenbürtigen Windows-Konkurrenz im Office.

Die wichtigste Änderung aber steckt unter der Haube: Das virtuelle Dateisystem GVFS ersetzt das bisherige GnomeVFS. Die Bibliotheken dazu bieten Schnittstellen zu anderen Dateisystemen und Protokollen, so dass auch Zugriff auf Partitionen, FTP-Server, Wechseldatenräger wie USB-Sticks oder externe Platten sowie weitere Systeme möglich ist.

Der Desktop steht im Sourcecode ab sofort zum Download zur Verfügung, die deutsche Version hier und die englische hier. Zudem gibt es eine “us” englische Version etwa für USA und andere Länder, die nach Ansicht der Briten kein richtiges Englisch sprechen. Kompilieren muss es der Nutzer derzeit noch selbst. Anpassungen für die angekündigten Linux-Distributionen Ubuntu 8.04, Fedora 9 und OpenSuse 11.0 sind aber schon enthalten.

Die kommende Gnome-Version 2.24 ist ebenfalls schon angekündigt: Die Tools für das virtuelle Dateisystem sollen erweitert werden, das VoIP-Programnm Ekiga und der Instant-Messenger Empathy sollen im September enthalten sein. (mk)

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