Gute Cops, böse Cops – nicht im Web

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Amerikanische Polizisten sind noch empfindlicher als deutsche Lehrerinnen, wenn sie im Internet benotet werden sollen. Das Polizei-Bewertungsportal RateMyCop.com war ganz schnell vom Netz.

Hector Basurto, Vizechef eines Polizeiverbands, beschwerte sich im Fernsehen: „Ich möchte, dass das verschwindet. Eine Website wie diese bringt zahlreiche Polizeibeamte in Gefahr.“

Dabei gab es bei RateMyCop keine persönlichen Informationen, sondern nur die Namen der Gesetzeshüter in 500 landesweiten Polizeibehörden, die in den USA ohnehin öffentlich bekannt sind. Und eben die Möglichkeit, ihre Kompetenz und Fairness zu bewerten.

Polizeiverbände riefen umgehend nach Gesetzen, um die Site zu verbieten. Doch selbst Peter Keane, Verfassungsrechtler und früherer Polizeichef von San Francisco, hielt das für ziemlich aussichtslos: Da sei der erste Verfassungszusatz vor, der freie Meinungsäußerung garantiert.

Doch schon kurz nach dem Start des Polizeibewertungs-Portals war dort nur noch zu lesen: „OOOPS!!! Diese Site ist zur Zeit nicht erreichbar“ – und der Besitzer möge doch bitte beim Provider anrufen.

Es war der ohnehin für eilfertige Zensurmaßnahmen bekannte Provider GoDaddy, der widersprüchliche Angaben zur Sperre machte. Die Bandbreite sei überschritten worden, hieß es zuerst. Das stimmte nicht, daher folgte die Erklärung: Sie hätte aber irgendwann überschritten werden können.

Die Cop-Bewerter suchten sich eilig einen neuen Webhoster und legten der texanischen Firma RackSpace sogar 2000 $ im voraus auf den Tisch. Nützte auch nichts, denn der neue Provider machte umgehend einen Rückzieher und übernahm die Argumente der Polizei : „Wir glauben, dass die auf www.ratemycop.com befindliche Website, wie sie unserem Mitarbeiter beschrieben wurde, ein Risiko für die Gesundheit und Sicherheit von Polizeibeamten darstellen könnte.“

(bk)

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