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Nur Ärger mit Visitenkarten aus dem Web?

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Onlinedienste zum Erstellen professioneller Visitenkarten sind in der Theorie günstiger als Werbeagenturen. Unser Praxistest mit dem meistbeworbenen Service dieser Art brachte jedoch andere Erfahrungen.

Minimalistische Basismodelle

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Individuell gestaltete Visitenkarten sind im Geschäftsleben heute Standard. Standard-Designs wie sie jeder Visitenkartenautomat am Bahnhof ausspuckt, sind nicht mehr zeitgemäß. Wer nicht auf’s Geld schauen muss kann einfach eine Werbeagentur beauftragen, die vom Design bis zum Druck alle Arbeitsschritte übernimmt.

Soviel Service geht allerdings schnell ins Geld. Wer sein Design selbst mit Photoshop entwirft, kann genausogut einen der wesentlich billigeren Online-Druckdienste nutzen. Soweit jedenfalls die Theorie. Wir haben mit einer Probebestellung bei Vistaprint jedoch andere Erfahrungen gemacht.

Die Listenpreise von Vistaprint sind üppig, allerdings kann man sie durch diverse Rabatte erheblich reduzieren.

Preisfalle: Wer clever ist, zahlt nicht den Listenpreis

Wer sich als Kunde bei Vistaprint anmeldet, kann unter einer Vielzahl an mal mehr, mal weniger gelungenen Design-Vorlagen auswählen. Auch ein individuelles Firmendesign ist möglich. Um den Kunden die Arbeit zu erleichtern, hat Vistaprint passende Format-Vorlagen für Photoshop zum Download bereitgestellt. Diese kann man nach eigenen Wünschen anpassen und dann wieder hochladen.

Wir haben mit diesen Vorlagen ein eigenes Design mit Porträtfoto entworfen, und die schwarzen Standardschriften um eine graue ergänzt. Die ersten Überrraschungen kamen bei der Konfiguration. Die angegebenen Grundpreise – in unserem Fall 23,99 Euro für 250 Visitenkarten- sind ähnlich minimalistisch ausgelegt wie Basismodelle bei Daimler Benz – ohne kostspielige Extras geht es nicht. Hinzu addierten sich noch 11,99 Euro Aufpreis für Hochglanzkarton, welcher dem Foto eine bessere Druckqualität bescheren sollte. Für 5,99 Euro gab es dann auch eine bedruckte Rückseite und der Versand schlug mit 10,66 Euro (Standard, 10 Tage Lieferzeit) zu Buche. In der Summe waren das dann 52,63 Euro und das war uns doch zu viel.

Glücklicherweise lag im Büro einer der zahllosen Werbeflyer herum, mit denen Amazon-Kunden regelmäßig bedacht werden; er versprach 90 Prozent Rabatt. Unter der URL www.vistaprint.de/amazon16 wurde es dann deutlich billiger, weil sich der Grundpreis von 23,99 Euro auf 2,49 Euro reduzierte.

Außerdem wählten wir die Versand-Option “Langsam, 21 Tage Lieferzeit”, somit ergab sich ein Gesamtpreis von fairen 21,47 Euro.

Während die schwarzen Schriften noch kantenscharf gedruckt sind, wirken die grauen Buchstaben sehr “krukelig”.


Druckqualität: “Return of the Matrixdrucker”?

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Unsere Test-Visitenkarte wurde zwar zügig nach 11 Tagen und somit sehr zügig geliefert, aber mehr Positives ließ sich über die Lieferung beim besten Willen nicht sagen.

Durch schlampigen Beschnitt stimmte die horizontale Ausrichtung nicht. Zwar waren die schwarzen Schriften sauber gedruckt, die grauen Schriften waren alles andere als kantenscharf.. An der Vorlage lag es nicht, beide Schriften waren – abgesehen von der Farbe – identisch. Auch das Foto war durch ein siebförmiges Druckmuster verunziert.

Schlechte Druckqualität, schlampiger Beschnitt – mit diesen Visitenkarten erweckt man beim Kunden höchstens Mitleid. Wir wollten daher neue Visitenkarten – oder unser Geld zurück. Das war allerdings nicht ganz so einfach wie das Aufgeben einer Bestellung.

Trotz einwandfreier 300dpi-Vorlage genügte das Porträtfoto auf der Vorderseite der Visitenkarte nicht einmal niedrigen Qualitätsansprüchen.


Service: “Anybody out there?”

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Zum Testzeitpunkt gab es noch keine Service-Hotline für deutsche Vistaprint-Kunden. Also haben wir erst mal eine Mail (kundenservice@vistaprint.com) geschrieben.

Als Antwort gab es eine Standardmail mit dem freundlichen Hinweis, doch bitte erst einmal die FAQs zu lesen. Für alle Fälle war jedoch noch eine weitere Mail-Adresse (emailservicesvpde@vistaprint.com) für Reklamationen angegeben. Also haben wir die Mail gleich noch einmal geschickt.

Und es passierte wieder das Gleiche, nämlich Nichts. Drei Wochen später wurde uns die Geschichte zu bunt und wir setzten Vistaprint per Mail eine Frist und forderten unser Geld zurück. Da kam auf einmal Leben in die Angelegenheit, und innerhalb von einigen Tagen hatten wir – wenn schon keine brauchbaren Visitenkarten – immerhin unser Geld zurück.

Zugute halten müssen wir dem Anbieter, dass er das Problem erkannt hat und daran arbeitet. In der Zwischenzeit hat Vistaprint nämlich eine Hotline für deutsche Kunden eingerichtet (069 / 50 98 55 51) wo man tatsächlich einen persönlichen Ansprechpartner erreicht. Sie befindet sich derzeit allerdings noch in der Erprobungsphase und steht noch nicht allen Kunden zur Verfügung. Genauer gesagt wird sie noch nicht für jeden Kunden eingeblendet. In unsere Servicenote konnte sie daher nicht einfließen. Wir haben sie auch eher durch Zufall gefunden, als wir uns nach Testende routinemäßig noch einmal die Webseite angesehen haben.

Die freundliche Dame von der Hotline gab uns den Rat, noch einmal die gleiche Bestellung aufzugeben, da es sich bei unserem Fall wahrscheinlich um ein einmaliges Qualitätsproblem in der Produktion gehandelt habe. Wenn es dann immer noch nicht passen sollte, könnten wir ja erneut reklamieren. Darauf hatten wir nach dem ganzen Hin- und Her allerdings keine Lust mehr.

Diese praktische Servicenummer soll nach und nach für alle Kunden im Kundenkonto eingeblendet werden, derzeit ist das noch nicht der Fall.


Fazit: Viel Aufwand, noch keine vorzeigbaren Visitenkarten

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An sich ist das System von Vistaprint eine runde Sache. Die Bedienung des Web-Frontends lässt keine Wünsche offen, und auch das Preismodell ist – vorausgesetzt man nutzt eine der vielen Rabatt-Aktionen – ebenfalls fair. In unserem Test war die Druckqualität jedoch desaströs. Der Service war nur per Mail zu erreichen, immerhin wurde der Kaufpreis am Ende komplett zurückerstattet.

Mit der gerade anlaufenden Service-Hotline soll sich die Situation allerdings in naher Zukunft verbessern. Ob es sich hierbei um einen bedauerlichen Einzelfall oder ein generelles Qualitätsproblem handelte, läst sich natürlich aus einer einzigen Bestellung nicht zuverlässig ableiten. Aber als Kunde erwartet man für sein gutes Geld im Zeitpunkt der Bestellung natürlich auch ein gutes Produkt, insofern finden wir das mangelhafte Gesamturteil durchaus gerechtfertigt. Denn alles in allem haben wir ziemlich viel Zeit vergeudet, den Hersteller um Nachbesserung gebeten, aber trotzdem keine brauchbaren Visitenkarten erhalten.

Produktname: Vistaprint Visitenkarten online
Hersteller: Vistaprint
Internet: www.vistaprint.de

Note mangelhaft
Druckqualität (50%): mangelhaft*
Bedienung (20%): sehr gut
Service (30%): ausreichend

*führt zur Abwertung der Gesamtnote

Features
– vorgefertigte Design-Templates
– Dokumentenvorlage für individuelle Photoshop-Designs
– unterschiedliche Papiersorten