Avanquest Partition Commander 10 Professional
Festplatten-Trimmer

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Für flexibles Festplattenmanagement bietet bisher keine Windows-Version ausreichende Funktionen. Der neue Partition Commander 10 will Abhilfe schaffen mit Features fürs Partitionieren, Formatieren, Defragmentieren, Konvertieren und Klonen. Im Notfall soll eine Boot-CD helfen.

Stärken des Programms

Avanquest Partition Commander 10 Professional

Selbst professionelle Anwender werden ihre Festplatten nicht jeden Tag formatieren, umpartitionieren, konvertieren oder klonen. Ein Tool für flexibles Festplattenmanagement steht daher oft nicht auf dem ersten Platz ihrer Wunschliste. Dennoch erweist sich ein Partitionierungstool als wertvolles Hilfsmittel, wenn der Speicherplatz auf einem Volume knapp wird, die Festplattenstruktur nach einem Virusangriff beschädigt ist oder unangenehme Festplattengeräusche das Sichern aller Daten anraten lassen. Ein Programm wie der neue Partition Commander 10 Professional gehört deshalb in jeden Admin-Werkzeugkasten, auch wenn das Tool auf dem einen oder anderen Test-PC noch Schwächen zeigt.

Aufgeräumte Oberfläche: Partition Commander 10 bietet alle wichtigen Funktionen im Direktzugriff, besitzt aber auch gewöhnungsbedürftige Eigenheiten in der Bedienung. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))

Der Funktionsumfang von Partition Commander 10 Professional ist gut. Die Boot-CD macht die wichtigsten Funktionen rund um das Partitionieren auch bei nicht mehr startfähigem Betriebssystem zugänglich. Hinzukommen ein Boot-Corrector für MBR-Operationen und eine Kommandozeile für Systemdatei-Reparaturen. Äußerst nützlich: Wer noch mehr Sicherheit braucht, kann weitere Rettungs-CDs erstellen. Dafür hält das Tool einen speziellen Konfigurator bereit, mit dem sich Standard-CDs/DVDs sowie benutzerdefinierte Rettungsdisks erstellen lassen.

Mit Partition Commander 10 lassen sich FAT- und NTFS-Partitionen löschen, anlegen, formatieren, zusammenführen, konvertieren, anordnen und verschieben. Beim Formatieren können Partitionen für die Dateisysteme FAT, NTFS, Swap, Ext 2 und 3 sowie RFS und HPFS vorbereitet werden. Das ist nichts Besonderes. Sehr nützlich ist jedoch die Klon-Funktion, mit der sich exakte Bit-für-Bit-Kopien vorhandener Partitionen oder ganzer Festplatten erstellen lassen. Die dienen einerseits als Backup, andererseits sind damit Inhalte zu klein gewordener Festplatten auf neue größere Datenträger zu übertragen, die das alte Medium dann ersetzen.

Darüber hinaus können Benutzer eine Festplatte für die Verwendung mit älteren Windows-NT-Systemen präparieren, indem sie eine aktuelle NTFS-Partition downgraden. Das Upgraden etwa von NTFS 3 auf NTFS 5 ist jedoch nicht möglich.

In Notfällen, sollten Partitionen unwillentlich gelöscht worden sein, hilft ein Assistent zur Wiederherstellung gelöschter Partitionen weiter. Diese Wiederbelebung funktioniert jedoch nur, wenn die entsprechenden Festplattenbereiche nicht zuvor schon neu formatiert, verschoben oder zusammengeführt wurden.

Auch zwei Defragmentierungsroutinen bringt Partition Commander mit, und zwar für Partitionen sowie für die MFT (Master File Table). Das kann Systeme mit stark fragmentierten Daten spürbar beschleunigen. Anders als bei O&O Defrag 10 darf das zu defragmentierende Volume bei Partition Commander während des Vorgangs jedoch nicht in Benutzung sein.


Bedienung mit Fallen

Avanquest Partition Commander 10 Professional

Besonders Einsteigern kommt die Bedienung mittels virtueller Operationen entgegen: Alle gewählten Änderungen werden angezeigt, aber nicht sofort ausgeführt. So kann der Nutzer jederzeit überprüfen, ob er Fehler gemacht hat, und diese noch ausbessern. Erst nach einem Klick auf den Menüpunkt Anwenden werden die Änderungen ausgeführt.

Im Wesentlichen ist die Benutzeroberfläche aufgeräumt und übersichtlich. An manche Eigenheit der Bedienung müssen sich Anwender jedoch gewöhnen: Wird eine Partition im Hauptfenster markiert, bezieht sich der anschließend gewählte Befehl nicht automatisch auf diese Partition, sondern öffnet einen Assistenten, der wieder alle auswählbaren Partitionen anzeigt. Wer zu schnell auf Weiter klickt, hat dann aber meist die falsche Partition erwischt. Der Rahmen, der die markierte Partition anzeigt, sollte deshalb deutlicher hervorgehoben werden.

Trotz vorheriger Markierung der zu bearbeitenden Partition, muss der Benutzer im Assistenten die Wahl erneut treffen. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))

Umfangreichere Festplattenoperationen auf sehr großen Volumes ab 500 GByte sollten über Nacht ausgeführt werden, da sie das System für mehrere Stunden lahm legen können.

Das Vergrößern von Partitionen funktioniert unter NTFS ohne Neustart (Hot Resize). Auch das Ändern von Laufwerksbuchstaben, Partitionsattributen und -reihenfolgen sowie die Überprüfung von Datenträgeroberflächen gehen leicht von der Hand. Das Anpassen von Partitionsgrößen funktioniert jedoch nicht intuitiv. Anwender müssen die Reihenfolge der Operationen beachten, was zum Teil umfassenderes Grundwissen voraussetzt. Hilfefunktion und Handbuch (digital und 157 Seiten gedruckt) bieten auch Grundlageninformationen rund um Festplatten, Partitionen und Programmfunktionen. Sie enthalten jedoch auch kleinere Fehler.


Schwächen des Programms

Avanquest Partition Commander 10 Professional

Bereits bei der Installation fallen einige kleine Schwächen ins Auge: Der Installationspfad unter c:\program files\avanquest? lässt sich vom Benutzer nicht ändern. Ein erheblicher Nachteil für alle, die Betriebssystem- von Applikations- und Archivpartitionen trennen. Die Installation macht selbst unter Windows Vista einen Neustart erforderlich. Für Menüeinträge und Icons gibt es keine Optionen. Auch eine Deinstallationsroutine findet sich nicht. Das Programm lässt sich nur über die Systemsteuerung von Windows entfernen. Dann verbleiben aber Relikte in der Registry zurück sowie einige Verzeichnisse und Dateien, die manuell gelöscht werden müssen. Auch eine Option, sich gar nicht beim Hersteller zu registrieren, vermissen die Tester ebenfalls.

Unhandlich: Beim Einstellen der neuen Partitionsgröße hilft ein Schieberegler nur bedingt weiter, da dieser zu unpräzise ist und die gewählte Größe nicht in Echtzeit anzeigt. Die manuelle Zifferneingabe ist hier nicht möglich. Detailliert funktioniert dies nur im gesonderten Dialog Partition verschieben/in der Größe ändern.

Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass sich Partitionen nur auf nicht zugewiesene Festplattenbereiche klonen lassen, statt auch auf leere formatierte Partitionen. Standardmäßig erwartet das Tool die exakt gleiche Größe von Quell- und Zielpartition. Dies lässt sich jedoch mit der Option, die Partitionsgröße anzupassen, umgehen, so dass sich eine kleine auch auf größere Partitionen klonen lässt.

Ärgerlich: Auf einem der Testrechner lässt sich Partition Commander 10 nur mit extremer Verzögerung von mehreren Minuten starten. Der Prozess launcher.exe beansprucht zunächst rund 50 MByte RAM, begnügt sich später dann aber mit gut 18 MByte. Eine wiederholte Neuinstallation behebt das Problem. Auf einem anderen Testrechner startet das Programm von Anfang an einwandfrei, zeigt jedoch grobe Schwächen im Modul Volume Explorer. Statt den Inhalt von gemounteten und nicht gemounteten Volumes anzuzeigen, führt launcher.exe zum Totalabsturz des Programms ? selbst bei internen Festplatten.

Der Volume Explorer zeigt die Inhalte von gemounteten und nicht-gemounteten Laufwerken
an – leider nur auf einem der Testrechner, auf dem anderen stürzt das Tool ab. ((Ins Bild klicken für vollständige Ansicht.))

Auf Rückfrage von PC Professionell teilt der Hersteller lediglich mit, die Probleme könnten zusammenhängen. Es sei möglich, dass Partition Commander die Festplatten-/ Partitionskonfiguration nicht erkennen könne; als Ursache kämen Geometrieprobleme der Festplatte in Frage sowie angeschlossene USB-Geräte oder interne Speicherkartenleser. Beide Fehler treten jedoch auch ohne angeschlossene USB-Geräte auf. Und auf die Nutzung eines internen Kartenlesers möchten Notebook-Benutzer sicherlich auch nicht verzichten. Der Hersteller bemüht sich weiterhin, den Problemen auf die Schliche zu kommen.


Fazit

Avanquest Partition Commander 10 Professional

Partition Commander 10 Professional ist ein rundum nützliches Tool, das nicht jeden Tag zum Einsatz kommt, aber für das gelegentliche Festplattenmanagement hilfreiche Funktionen bereithält. Seinen derzeitigen Straßenpreis von etwa 38 Euro (Listenpreis: 50 Euro) ist das Programm durchaus wert. Die genannten Schwächen sollte der Hersteller im Rahmen von Updates beheben. Profis in Unternehmen würden sich über zusätzliche Remote- und Netzwerk-Funktionen sowie Server-Support freuen.

Partition Commander 10 Professional
Hersteller: Avanquest
Internet: www.avanquest.de
Preis: 50 Euro

Note: befriedigend
Leistung (40%): befriedigend
Ausstattung (30%): befriedigend
Bedienung (30%): gut

Das ist neu
neue grafische Bedienoberfläche
Vista-Kompatibilität
überarbeitete Boot-CD

Systemvoraussetzungen
Betriebssystem: Windows 2000, XP SP2, Vista
Prozessor: Pentium II/300 MHz
Arbeitsspeicher: 128 MByte
Festplattenspeicher: 40 MByte