Notebook verschlampt: Schadenersatzklage über 54 Millionen $

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Natürlich in den USA. Die Summe hört sich nach grenzenloser Gier an, scheint aber auf gründlicher und begründeter Verärgerung zu beruhen.

Raelyn Campbell hatte bei der Elektromarkt-Kette Best Buy ein Notebook gekauft. Und sich vom Verkäufer sogar noch beschwatzen lassen, für eine erweiterte Garantie 300 $ extra hinzulegen. Darüber war sie froh, als schon nach ein paar Monaten der Ein-Aus-Schalter brach.

Also zurück zu Best Buy, bitte instandsetzen. Gerne doch, dauert nur zwei bis sechs Wochen, bekam sie zu hören. Drei Monate später hatte sie ihr Notebook immer noch nicht zurück. Sie war endlos hingehalten worden und bekam erst jetzt das Eingeständnis zu hören, dass das Notebook nie auf seine angebliche lange Reise zur Reparatur gegangen, sondern bereits in der Best-Buy-Filiale verschwunden war. Darüber war sie nicht informiert, sondern von den Mitarbeitern belogen worden.

Schadenersatz? Mehr als 1100 Dollar hatte das Notebook mit Extragarantie gekostet, dafür sollte sie jetzt einen Gutschein über 900 $, und nur bei Best Buy einlösbar, erhalten. Campbells Gegenrechnung: Sie habe Musik im Wert von mehreren Tausend Dollar sowie unersetzbare Fotos verloren. Mit dem angebotenen Gutschein könne sie nicht einmal den Computer ersetzen, ganz zu schweigen von der Software und ihrer Zeit. Sie forderte 2100 $ Bares.

Best Buy zog es vor, darauf gar nicht zu antworten. Die enttäuschte Kundin drängte daraufhin ihre Freunde und Verwandten, sich an die Ladenkette zu wenden und kundzutun, nie wieder dort kaufen zu wollen. Ein Manager von Best Buy feuerte per Mail zurück: Auf jeden unzufriedenen Kunden kämen Hunderte von zufriedenen. Und man könne halt nicht jeden Kunden zufrieden stellen.

Für die Kundin kam noch hinzu, dass sich ihre Steuererklärung auf dem Rechner befunden hatte. So etwas bringt in den USA das erhebliche Risiko des Identitätsdiebstahls mit sich. Seither zahlt sie 10 $ monatlich an einen Dienstleister, der auf einen möglichen Identitätsdiebstahl hin überwacht. Best Buy wiederum hatte gegen Gesetze verstoßen, die eine umgehende Information verlangen, wenn die Daten eines Kunden verloren gehen.

Und warum fordert Raelyn Campbell jetzt 54 Millionen Dollar? Nun ja, sie hatte zufällig in der Zeitung von einer Klage in dieser Höhe gegen eine Reinigungsfirma gelesen, die eine Hose verloren hatte. Zuvor wäre sie eigentlich mit 2100 $ zufrieden gewesen: „Es sollte keine gerichtliche Klage über 54 Milllionen $ erforderlich sein, um Best Buy dazu zu bringen, sich ernsthaft um so etwas kümmern.“

(bk)

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