Ein Nachruf: Adieu Postkarte

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Wir Mobiltelefonierer, Digitalfotografierer und SMS-Tipper haben es fast geschafft: Die gute alte Postkarte ist auf der Roten Liste bedrohter Arten gelandet.

Wenn im Briefkasten noch ein Stück dünner Pappe auf uns wartet, ist es doch meist Werbung – und keine Ansichtskarte von exotischen Orten. Okay, die Texte solcher Urlaubsgrüße waren in der Regel belanglos bis überflüssig, aber immerhin gab es beneidenswerte Sonnenuntergänge, Palmenstrände oder auch seltsame Sehenswürdigkeiten. Doch künftige Büroräume müssen ohne Postkartenwand auskommen, denn der meist viel schlechtere Schnappschuss vom Fotohandy, noch banalere SMS-Urlaubskurzgrüße oder die fröhlich plappernde E-Mail-Botschaft aus dem Internetcafé übernehmen den Job der Mini-Reiseberichterstattung. Damit geht eine 120 Jahre währende Ära zu Ende. Übrigens ist damit auch eine der letzten Anwendungen für die Handschrift perdu. Ab hier nur noch Tastatur, Touchscreen oder (auch immer seltener) Stifteingabe. Nintendo DS als Schutzreservat der Handschrift sozusagen. Ach ja, ein (digitales) Museum für Postkarten gibt es auch schon: das Tacky Postcard Archive hat sich zum Ziel gesetzt, den “schlechten Geschmack unserer Zeit für die zukünftigen Generationen zu bewahren.” Nächstes Ziel der globalen Community: Die geschmacklosen Geburtstagskarten durch humorvollere eCards ersetzen. (rm)

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