K Desktop Environment 4.0
Linux-Desktop zum Ausprobieren

BetriebssystemOpen SourceSoftwareWorkspace

KDE 4.0 ist fertig und bringt viel Neues. Gute Ideen, nette Grafikeffekte und pfiffige Funktionen. Aber ist die Software schon fit für den professionellen Praxiseinsatz? Wir haben nachgetestet.

Hübsch aber mit Kinderkrankheiten

K Desktop Environment 4.0

Das K-Desktop-Environment ist eine grafische Oberfläche für Unix und Linux, die integrierte Programme für Office, Internet, Multimedia und andere Bereiche mitbringt. Die Version 4 zeigt viel Neues: Unter der Haube wurden die Bibliotheken in nahezu allen Bereichen runderneuert. Als erstes sticht aber die aufpolierte Oberfläche ins Auge. Plasma heißt die neue Desktop-Shell. Natürlich gibt es Icons im SVG-Format zu bestaunen und Widgets dürfen natürlich auch nicht fehlen. 24 dieser kleinen Tools (News-Reader, Notizzettel) sind schon vorinstalliert. Über [STRG] + [F12] blenden Nutzer diese Mini-Programme schnell ein.

Das schicke Design von KDE 4.0 ergänzen pfiffige Funktionen wie der übersichtliche Programm-Starter KickOff. (Klick auf Bild ergibt Gesamtansicht)

Die Kontrollleiste und das Programm-Menü sind gut gelungen. User navigieren Dank pfiffiger Ideen schneller durch installierte Tools, Systemeinstellungen und angeschlossene Geräte. Dafür sorgt eine horizontale Leiste im Programm-Menü KickOff, die nach diesen Kategorien filtert. Gut gelungen ist auch die Suche, über die sich auch direkt Programme starten lassen. So reicht die Eingabe von Firefox und schon startet der Browser.

Widgets erscheinen per Shortcut und überblenden dabei die aktiven Fenster 24 Tools sind im Basispaket enthalten. (Klick auf Bild ergibt Gesamtansicht)

Die Bedienung ist intuitiv, von geschmeidigerer Interaktion dank Hardware-Beschleunigung merkt man aber wenig – Menüs reagieren mal schnell, dann wieder träge, Programme starten sofort oder lassen auch schon mal eine Minute auf sich warten. Kinderkrankheiten hat KDE 4 auch noch wenn zu viele Programme auf einmal geöffnet sind. So kommt es im Test ab und zu vor, dass offene Programme, die länger nicht benutzt werden, nicht mehr reagieren. Und auch bei manchen Menüaktionen verzögert sich die Antwort – im Test merkt man das vor allem bei den Einstellungen der Widgets. Zusätzliche Effekte wie alle offenen Fenster nebeneinander anordnen beherrscht KDE 4 zwar, aber perfekt läuft es nicht.


KDE4: Macht Vielseitigkeit träge?

K Desktop Environment 4.0

Auch bei den mitgelieferten Programmen legt KDE nach: Konqueror konzentriert sich auf seine Aufgaben als Web-Browser, neuerdings auch mit CSS-3-Support. Der Dateimanager Dolphin läuft im Test eher träge, beim Sprung in Unterverzeichnisse zögert das Programm immer einen Tick zu lange – das ist nervig, vor allem wenn man länger damit arbeitet. Gut gelöst: Dolphin merkt sich Einstellungen für bestimmte Verzeichnisse, so können etwa Bilder schon in der Mini-Ansicht betrachtet werden, ein Verzeichnis mit vielen Texten wird aber trotzdem in Listenansicht gezeigt. Dateien lassen sich mit Kommentaren versehen, leider fehlt bisher noch die Suchfunktion, die diese Metainformationen auch durchforsten kann. Die eingebauten Viewer sparen Zeit beim Sichten von Dokumenten. Egal ob Bilder, PDFs oder Openoffice-Dokumente, KDE zeigt die Dateien an – leider gilt das nicht für DOC-Files oder Powerpoint-Präsentationen.

Viel übersichtlicher als Konqueror verrichtet der neue Dateimanager Dolphin seinen Dienst. (Klick auf Bild ergibt Gesamtansicht)

Unter der Haube ist jetzt die Bibliothek Phonon für Multimedia-Anwendungen zuständig, wie zum Beispiel für die Wiedergabe von Audio und Video. Das Standard-Backend für KDE 4.0 ist Xine. Der Vorteil: Die Unterstützung für Dateiformate ist enorm. Phonon erlaubt es dem Benutzer außerdem, das Ausgabegerät basierend auf dem Typ der abgespielten Medien zu wählen. Akustische Fehlermeldungen können also etwa über die Systemlautsprecher ertönen, während die Musik-Sammlung über die angeschlossene Stereoanlage läuft. Die Verwaltung von Geräten, die im laufenden Betrieb angeschlossen oder entfernt werden ist zwar auch neu gemacht worden, überzeugen kann sie aber noch nicht – so überfordert im Test der Parallelbetrieb von iPod, externer Festplatte und WLAN-Stick das System.


Testergebnis KDE 4.0

K Desktop Environment 4.0

Fazit: KDE 4.0 ist für den Praxiseinsatz noch zu träge und instabil. Trotzdem zeigt das Release wo die Reise hingeht. Eine Parallel-Installation oder eine Live-CD ist für Interessierte ein Muss. Für den professionellen Linux-Einsatz muss noch einiges an Feinarbeit stattfinden.

Produktname: KDE 4.0
Hersteller: KDE-Projekt
Internet: www.kde.org
Preis:
kostenlos, Download hier

Note befriedigend
Leistung (40%): ausreichend
Ausstattung (30%): gut
Bedienung (30%): gut

Das ist neu

– Desktop-Shell, Oberfläche
– System-Bibliotheken
– Widgets, Dateimanager

Systemvoraussetzungen
Betriebssysteme: Unix, Linux
Prozessor: Pentium IV oder vergleichbar
Arbeitsspeicher: 512 MByte