Wo die Iphones auf Halde liegen

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Apple schmückt sich mit vier Millionen verkauften Iphones. Mit einer geschätzten halben Million wurde aber noch nie telefoniert.

Die klaffende Lücke in der Apple-Rechnung führte schon zu abenteuerlichen Spekulationen und großen Zweifeln der Analysten. Doch als sich die Nebelschwaden lichteten, waren Berge von Iphones zu erkennen, die sich in den Läden und Lagern der Mobilfunker stapeln.

Die zu Exklusivpartnern erwählten Mobilfunkbetreiber mussten offenbar Jesusphones abnehmen, was das Zeug hält. Und verkauften sie weit unterhalb der vergeblich geweckten Erwartungen. In Deutschland konnte T-Mobile in den ersten elf Wochen seit dem Verkaufsstart nur 70.000 Iphone-Verträge abschließen, wie aus dem Intranet der Firma an die Öffentlichkeit sickerte. Damit konnte der deutsche Exklusivdealer selbst in der Vorweihnachtssaison nur einen winzigen Bruchteil zu den kolportierten Millionenstückzahlen beitragen. Die Statistiker der Firma trösten sich damit, die Datennutzung der Iphone-Kunden sei im Shnitt 30-fach höher als bei den durchschnittlichen Vertragskunden von T-Mobile. Was noch in den Lagern von T-Mobile liegt, verrieten sie aber lieber nicht.

Wie aus Großbritannien verlautet, waren Exklusivpartner O2 und der unabhängige Wiederverkäufer Carphone Warehouse von den Iphone-Abverkäufen enttäuscht. Laut Financial Times sollen im Inselreich Apple, O2 und das Warehouse in den ersten beiden Monaten 190.000 Stück losgeschlagen und damit das Ziel von 200.000 verfehlt haben. Richtig blamiert haben sich dabei die Analysten von Gartner, die sogar 350.000 bis 400.000 verkaufte Geräte prophezeiten.

Apples exklusiver US-Iphone-Distributor hat im vierten Quartal 2007 nur 900.000 Iphones aktiviert, wie AT&T bei einer Telefonkonferenz enthüllte. Der Mobilfunker berichtete für das ganze Jahr „ziemlich genau oder ein wenig unter zwei Millionen Iphone-Kunden“.

Was immer man jetzt rechnet – es soll auch verkaufte und nicht aktivierte Iphones geben -, Jobs’ vier Millionen verkaufte Iphones reimten sich niemals zusammen, wären damit an die Endkunden verkaufte Handys gemeint. Auf ganz ähnliche Weise rechnete sich ja auch Microsoft bereits die Zahl der Vista-Nutzer schön.

Die Branchenbeobachter jedenfalls haben extrem hohe Lagerbestände bei Apples Vertriebspartnern ausgemacht. „Die Iphones stapeln sich in den AT&T-Läden“, konnte Cnet beobachten. Tony Sacconaghi, Finanzanalyst bei Sanford C. Bernstein, zog die Schlussfolgerungen:

„Wir glauben, dass die Daten auf eine erhebliche Menge von Iphone-Beständen in den Vertriebskanälen deuten … Das ist in doppelter Hinsicht negativ zu werten: (1) weist es darauf hin, dass die Nachfrage der Endbenutzer nach dem Iphone geringer ist, als viele Investoren aufgrund von Apples Verkaufszahlen annehmen; und (2) lässt es langsamere Iphone-Umsätze im aktuellen Quartal erwarten, da wahrscheinlich zunächst die Lagerbestände abzubauen sind.“

(bk)

Iphone-Standmeldungen aus

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