Boykott gegen Nokia wirkt – ein bisschen

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Der aufrechte Boykotteur Horst Seehofer hat bereits ein Sony Ericsson, und sein ganzes Ministerium soll dem Telefonieren mit Nokia entsagen. Gleichzeitig meldet Handy-Dominator Nokia weltweit steigende Umsätze und einen um 60 Prozent gestiegenen Gewinn.

Im vierten Quartal 2007 lieferte Nokia mehr Mobiltelefone in die Welt als die drei nächstgrößten Hersteller zusammen. Nokias Manager erklärten das als Ergebnis ihrer rationalisierten Unternehmensabläufe, die eine tägliche Produktion von fast 1,5 Millionen Geräten während des Quartals ermöglichten. Den größten Anteil machen die Einsteigerhandys der 1100er und 1200er Gerätefamilien aus, den größten Gewinn jedoch fuhren die Smartphones der Nseries ein.

Stellt sich die Frage, inwieweit die in Deutschland nach der umstrittenen Werksschließung in Bochum aufkommende Boykottstimmung die Nokia-Manager zu beeindrucken vermag. Immerhin ist Deutschland für die Finnen der drittgrößte Markt – nach China und Indien. In Prozenten hört sich das mit fünf Prozent Umsatzanteil allerdings weniger beeindruckend an. Nokia-Chef Kallasvuo rang sich zumindest schon zum Eingeständnis durch, er könne „etwas kalt gewirkt haben“, als er die Werksschließung ankündigte.

So etwas hält den Boykott nicht auf. Die Seite „No, Nokia“ der nordrhein-westfälischen SPD meldet bereits über 15.000 Unterstützer. Die Wirtschaftswoche sorgt sich schon ernsthaft um „die neue Macht der Kunden“, die Nokia zu spüren bekomme. In Bochum gehe die Nokia-Verachtung bereits so weit, dass die Handyläden ihre Schaufenster umdekorieren müssen. Der Betreiber eines Vodafone-Ladens nahe dem Nokia-Werk: „Bis jetzt war Nokia bei mir das meistverkaufte Handy. Jetzt will kaum noch ein Kunde eines haben.“ Bevor man ihm die Scheibe einwerfe, steige er lieber auf andere Handymarken um.

Von messbaren Auswirkungen auf Nokias Umsätze wird jedoch noch nicht berichtet. T-Mobile und Vodafone melden noch immer fünf Nokia-Geräte auf den vorderen Plätzen ihrer Top-10-Listen.

Zu den anstehenden Verhandlungen über einen Sozialplan zur Werksabwicklung in Bochum ließen sich Nokias Statthalter noch eine freundliche Empfehlung an ihre Mitarbeiter einfallen, wie die Lokalzeitung Rheinische Post berichtet: Geht doch nach Rumänien!

Nokia hat das inzwischen dementiert. Man finde es vielmehr unwahrscheinlich, dass es dafür Interesse geben könnte.

(bk)

IDC

Wirtschaftswoche

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