Wenn Bill mit Wowi tanzt

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Oder mit Angie. Bill Gates gibt inzwischen zwar bevorzugt den philanthropischen Weltmäzenaten, macht aber zugleich den Lobby-Beauftragten von Microsoft. In dieser Woche war er auf Zwischenstation in Berlin und ging auf Tuchfühlung mit den Regierenden.

Der weltreisende Microsoft-Gründer versuchte Frau Merkel zu überzeugen, wie toll ein Tablet-PC mit Microsofts Software sei. Sie lud ihn zum Empfang ins Kanzleramt, um sich in ein wenig in Gates-Glamour zu sonnen. Und sich mit dem Microsoft-Gründer einer massiven Armee von Fotografen zu präsentieren, als fände ein Staatsbesuch statt. Der Staatsgast wiederum war in Spendierlaune und versprach gönnerhaft ein Projekt, das vier Millionen Deutschen den Umgang mit IT im Berufsleben beibringen solle. Was zweifellos auf den gewohnheitsmäßigen Umgang mit Windows und MS Office hinausläuft.

Frau Merkel wiederum tat auf der von Microsoft in Berlin veranstalteten Lobbyveranstaltung Government Leaders Forum Europe ihre hohe Wertschätzung der IT kund. Datenaustausch und das Internet hätten bereits einen „großen historischen Erfolg“ errungen, denn der Mauerfall 1989 sei ein „Produkt der Informationstechnologie“. Da dürften sich ein paar DDR-Bürger aber gewundert haben, die sich noch etwas besser an diese Zeit erinnern können.

Eher noch dringlicher war der Termin des Microsoft-Botschafters beim Regierenden Bürgermeister von Berlin. Er trug sich im Roten Rathaus ins Goldene Buch ein und nahm Klaus Wowereit gleich eine Viertelstunde lang mit einem persönlichen Gespräch in Beschlag, bei dem es um Wohltätiges, Afrika und dergleichen gegangen sein soll. Wowi freute sich, „dass der große Software-Entwickler in der Stadt zu Gast ist, in der Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen Computer der Welt gebaut hat“. Und dann wollte er Gates noch ein Porzellanfigürchen des Eisbären Knut als „bekanntesten Botschafter der Stadt“ andrehen, den der Gast aber offenbar nicht soooo süß fand und nicht in die Hand nahm.

Der Schuh drückte den Besucher ganz woanders. Im Berliner Abgeordnetenhaus nämlich wurde schon vor zwei Jahren ein höchst unangenehmer Beschluss gefasst, demzufolge ganz konkret die Umstellung der Berliner Verwaltung auf Linux und Open Source geplant und umgesetzt werden soll.

Sollte, denn die Berliner Landesregierung zog nicht mit und begründete das vor allem mit rechtlichen Problemen. Inzwischen wurde der Beschluss mit rot-roter Mehrheit auf die vage Forderung nach „offenen Standards“ heruntergefahren. Die oppositionelle Grünen-Fraktion allerdings drängt noch immer mit parlamentarischen Anfragen auf den Linux-Fahrplan. Die Open-Source-Gefahr in Berlin ist noch nicht ganz gebannt, und Microsoft-Repräsentant Gates wird demnächst mal wieder einfliegen und sich kümmern müssen.

(bk)

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