Die meisten Deutschen wollen keine Nokia-Handys mehr

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56 Prozent kaufen sich nach der brutalstmöglichen Werksschließung in Bochum nie wieder ein Nokia, wenn man einer Forsa-Umfrage glauben möchte.

Die Politiker traten gemäß einer alten finnischen Tradition zum Weitwegwerfen von Nokia-Handys an, allen voran der sich routiniert als Arbeiterführer gebende und an Nokias Werktoren rüttelnde CDU-Landesboss Jürgen Rüttgers. War das nicht der, der zuvor für die vergeudeten Subventionen an Nokia zuständig war? Und auch Horst Seehofer, ansonsten im Dauereinsatz für reichlich Subventionen für die heimatlichen Agrarfabriken, versuchte mit seinem Nokia im Handy-Weitwurf mitzuhalten. SPD-Fraktionsleiter Peter Struck besann sich auf alte Traditionen und warf seines auch noch hinterher.

Das symbolische Wegwerfen von Nokia-Handys liegt offenbar vor allem Politikern. Die Mehrheit ihrer Landsleute beschränkt sich darauf, einfach keine mehr kaufen zu wollen. 68 Prozent der tausend repräsentativ Befragten erklärten außerdem ihre Überzeugung, das Ansehen der finnischen Weltmarke habe unter der überfallartigen Werksschließung gelitten.

Und mit welchen in diesem Land entwickelten oder hergestellten Mobiltelefonen wollen Rüttgers & Co jetzt telefonieren? Mit Handys von Siemens geht das schon lange nicht mehr, obwohl dieser staatsnahe Konzern auch gut mit öffentlichen Aufträgen gefüttert wurde. Bleibt den Amtsträgern nach ihrer eigenen Logik eigentlich nur noch das Iphone, so lange Apple die Displays bei Balda bestellt. Oder sollten wir ihnen verraten, dass auch diese westfälische Firma längst in anderen Ländern produzieren lässt und vielleicht vor der Übernahme durch eine asiatische Firma steht?

(bk)

Stern

Wikipedia: Handy-Weitwurf