SEC: Siemens ist der größte Korruptionsfall der Geschichte

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Sagt die US-Börsenaufsicht. Und eine Milliardenstrafe droht.

Im Schmiergeldsumpf des Siemens-Konzerns ging es nie um Peanuts. Und auch das Bußgeld, das die United States Securities and Exchange Commission (SEC) verhängen kann, wird sich in ganz anderen Größenordnungen bewegen. Zulangen kann die SEC, da Siemens auch an der US-Börse gehandelt wird.

Von der zu erwarteten Strafhöhe will Gerhard Cromme, oberster Aufsichtsratsherr von Siemens, gar nicht erst reden. Mitglieder des Aufsichtsrats ließen gegenüber der Wirtschaftswoche jedoch eine mögliche Strafe von bis zu vier Milliarden Euro durchblicken. Zuvor hatte man noch gehofft, mit „nur“ einer Milliarde davonzukommen.

Die 4-Milliarden-Rechnung ist gar nicht so unwahrscheinlich. Andere, so der Schweizer Elektrotechnik-Konzern ABB Asea Brown Boveri und der Telekommunikationszulieferer Titan, mussten bereits das Achtfache bis zum fast Zehnfachen von Bestechungsgeldern abdrücken.

Cromme selbst äußerte sich mehr als ausweichend in einem Interview. Aktive Aufsichtsratsmitglieder seien ja gar nicht betroffen. Das deutsche System aus einem Vorstand und einem Aufsichtsrat bewähre sich seit Jahrzehnten. Ein Schuldiger wurde inzwischen aber doch gefunden: Cromme wird bei der kommenden Hauptversammlung empfehlen, seinen Vorgänger Heinrich von Pierer nicht zu entlasten. Er schloss auch Regressansprüche gegen von Pierer nicht aus.

Ansonsten ist nach Cromme alles in Butter. Siemens sei wirtschaftlich nie vor dem Abgrund gestanden, im Gegenteil. Trotz der Krise erzielte das Unternehmen weiterhin glänzende Zahlen. Es gebe nur leider Länder, in denen man nicht mehr antreten könne, weil dort Schmiergelder zum guten Ton gehörten.

(bk)

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