Nordische Dickschädel: Nokia schaltet auf stur

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Der finnische Handy-Konzern will mit den Deutschen nichts mehr zu tun haben – und auch nicht mit ihnen reden.

Ob mit Politikern, Gewerkschaften oder Medien, Nokia wolle partout nicht über eine mögliche Weiterführung der Fabrik in Bochum reden, ließ Unternehmenssprecherin Arja Suominen die Deutsche Presseagentur in Helsinki wissen. Die Entscheidung zur Schließung sei “sehr genau durchdacht”.
Nun ist es sicher witzig, den gesprächsbereiten Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident) mit offenem Mund vor geschlossenem Werkstor stehen zu lassen, aber klug und durchdacht wirkt Nokias Haltung gewiss nicht. Im Bundestag wird der finnische Handy-Konzern gerade hübsch angegiftet. Das Verhalten von Nokia sei eine Sauerei, kommentierte der Vize-Präsident des Bundestags, Hermann Otto Solms (FDP), gerade in der Debatte um hohe Managergehälter. Der Fall Nokia zeige, dass staatliche Beihilfen falsch seien. “Die ganze Subventionitis hat doch zu nichts geführt”, erkennt Solms. Oh wie wahr: Nokia hatte von Land und Bund fast 90 Millionen Euro Fördergelder für Bochum kassiert. Der CSU-Mittelstandsexperte Hans Michelbach warf Nokia Subventionsbetrug vor. Aber nicht die Wut der Politiker, sondern den Ärger der Verbraucher sollte Nokia bedenken. Oder welchen Marktanteil hat BenQ heute noch in Deutschland? Eben, nur knapp über der Nachweisgrenze. (rm)

FAZ

Nokia: Strategischer Rückzug aus Deutschland?