Online-Musik ohne DRM: Leere Versprechen

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Alle Musikfirmen lassen jetzt DRM fallen. Alle? Nein, keine. Man muss nur hinter die Kulissen schauen.

Bei aller Aufregung um den 180-Grad-Kurswechsel der Musikindustrie lohnt es sich doch, einen kühlen Blick auf die realen Verhältnisse zu werfen. Sony BMG, der (noch) zweitgrösste Musikkonzern, hat angekündigt, MP3s ohne DRM-Infektion zu verkaufen. Und zwar so: Du sitzt vor seinem PC und willst gerade ein Sony-Album, ähm, kostenlos herunterladen, als deine Mutter in deinen Gedanken erscheint und dich ermahnt, doch nichts Unrechtes zu tun. Also beschliesst du widerstrebend, das Album zu kaufen. Zu  Du beginnst, herumzuklicken, und erfährst, dass die MP3-Veröffentlichungen von Sony nur per Geschenkgutschein in einem Offline-Tonträger-Fachgeschäft zu erwerben sind. Für happige 12,99 US-Dollar soll der US-Musikfan ab dem 15. Januar unter ganzen 37 Alben wählen können. Ist das nicht grossartig?

Auch bei iTunes kann man MP3-Songs ohne DRM kaufen. Allerdings nur von der EMI, und auch da nicht alles. Andere Konzerne (Warner, Universal) geben ausgewählte MP3s an den Online-Musikshop ihres Vertrauens.

Napster, ehemals fortschrittlichstes Musikvertriebsmodell und inzwischen glückloser Online-Musikshop, will ab dem zweiten Quartal diesen Jahres, also ab April, MP3-Songs einzeln verkaufen. Das Abo-Angebot bleibt unverändert DRM-infiziert.

Fazit: Noch setzten alle Musikkonzerne auf DRM und Nutzungsbeschränkungen. Noch sind MP3s reine Lockangebote. Falls sich das einmal ändert, werden wir natürlich darüber berichten… [fe]

Ars Technica