Windows Vista Service Pack 1
Der Release Candidate im Detail

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Über ein Jahr ist Windows Vista schon auf dem Markt, aber vor allem in Firmen und Unternehmensnetzwerken ist Microsofts jüngstes Betriebssystem noch nicht richtig angekommen. Mit dem ersten Service Pack soll dies anders werden. PC Professionell hat sich den Release Candidate (RC) angeschaut.

Der Release Candidate im Detail

Windows Vista Service Pack 1

Microsoft bietet den RC des Service Packs derzeit als Stand-Alone-Paket an. Im Download-Center können Anwender sowohl die 32– als auch die 64-Bit-Version herunterladen

Der Release Candidate ist die letzte Entwicklungsstufe vor der finalen Version, die Microsoft für das Frühjahr 2008 plant. Schon jetzt können User die Vorabversion testen. Experimentierfreudige Anwender sollten aber zunächst ein Backup des Systems anlegen. Generell gilt: Installieren Sie den RC nicht auf einem Produktivrechner, sondern verwenden Sie einen Test-PC. Es besteht keine Garantie, dass Installation und Betrieb reibungslos funktionieren.

Ist das Service Pack fertig gestellt, wird Microsoft es nicht nur als Installations-Datei, sondern auch über den Windows-Update-Service anbieten. Auf diese Weise sparen sich Anwender den Download des rund 430 MByte großen Paketes. Via Update-Service muss der Nutzer eines komplett gepatchten Vistas dann lediglich etwa 50 MByte herunterladen.


SP1: Das ist neu

Windows Vista Service Pack 1

Änderungen an der Benutzeroberfläche oder Bedienung des Betriebssystems wird das Service Pack kaum vornehmen. Stattdessen soll Vista vor allem in den drei Bereichen Zuverlässigkeit und Leistung, Administration sowie Unterstützung neuer Hardware und Standards verbessert werden.

Mehr Tools für Administratoren.

Die größten Änderungen für Endanwender sind die Neuerungen in einigen Anwendungen. So können Nutzer nun die GUI des Defragmentier-Tools nutzen, um zu bestimmen, welche Datenträger sie defragmentieren wollen. Diese ging zuvor nur mit der Kommandozeilenversion des Defragmentierers. Bitlocker, die Laufwerksverschlüsselung in Vista Enterprise und Ultimate, wurde ebenfalls verbessert: Nun können User nicht nur die Windows-Partition, sondern jede beliebige Partition verschlüsseln. Das bringt ein Plus an Sicherheit und Komfort, da sich die Laufwerke während des Windowsstarts entschlüsseln lassen. Auf eine gemischte Lösung aus Bitlocker und Tools von Drittherstellern kann der Anwender nun verzichten.

Der Bitlocker unterstützt nun alle Laufwerke.

Die Implementierung von Desktopsuchmaschinen anderer Hersteller, wie Microsoft es nach Googles Beschwerde vor dem US-Kartellbehörde versprochen hat, funktioniert mit dem Release Candidate noch nicht, auch wenn eine entsprechende Option in der Systemsteuerung schon angeboten wird.

Für Administratoren hält das Service Pack besonders viele Veränderungen bereit. So wird die bisher in Vista enthaltene Managementkonsole für Gruppenrichtlinien (GPMC) deinstalliert. Nutzer können aber anschließend eine aktuelle Version der GPMC mit erweiterten Features herunterladen. Darüber hinaus sollen Key Management Server zur Verteilung von Aktivierungsschlüsseln nun auch innerhalb virtueller Maschinen laufen. Als weitere Neuerung soll mit dem Update der Vista-Kernel auf die gleiche Version wie der Kernel von Windows Server 2008 gehoben werden. Vorteil für Admins: Die Basis beider Betriebssysteme ist gleich, wodurch insbesondere das Patch-Management vereinfacht wird. Vor der Installation oder Verteilung des Service Packs im Unternehmen sollten Administratoren die entsprechende Dokumentation von Microsoft lesen.


RC1: Das fehlt noch

Windows Vista Service Pack 1

Zwei geplante Änderungen hat Microsoft noch nicht in den RC aufgenommen: Zum einen werden sich illegale Vista-Kopien nach der Installation des finalen SP1 anders verhalten als bisher: Schlagen die Aktivierung oder der WGA-Check aufgrund eines ungültigen Produktschlüssels fehl, startet Vista nicht mehr im Modus reduzierter Funktionalität, denn diesen will Microsoft abschaffen. Stattdessen kann der Anwender den Rechner weiterhin normal benutzen, wird aber fortwährend darauf hingewiesen, einen gültigen Schlüssel zu erwerben. Zum anderen sollen mit dem Grace Time Exploit und dem OEM Bios Hack zwei Lücken geschlossen werden, mit dem illegale Kopien auch ohne Aktivierung funktionieren. Raubkopierern soll so das Handwerk gelegt werden.

Insgesamt gibt Microsoft alleine für den Release Candidate fast 120 Änderungen im Change-Log an. Darunter die Unterstützung des Bios-Nachfolgers EFI und weiterer Media Center Extender, die Installation von DirectX 10.1 und eine höhere Geschwindigkeit beim Kopieren von Dateien sowie Erstellen von Ordnern. Entwicklern von Antivirensoftware verspricht Microsoft eine Programmierschnittstelle, die Probleme mit der Kernel Patch Protection in der 64-Bit-Version von Vista beheben soll. Eine detaillierte Übersicht über die neuen und geänderten Features verschafft das Dokument “Notable Changes in Windows Vista Service Pack 1 Release Candidate”.


Fazit

Windows Vista Service Pack 1

Der Release Candidate des ersten Service Packs für Windows Vista zeigt, dass dieses Update mehr als eine reine Ansammlung von Patches und Bugfixes ist.

Microsoft will insbesondere Kinderkrankheiten heilen und dem jungen Betriebssystem Schwung geben. Neue Features wie DirectX 10.1 oder die Unterstützung weiterer Media Center Extender werden insbesondere Endanwender ansprechen. Admins werden hingegen die gesteigerte Zuverlässigkeit und neue Verwaltungsfunktionen zu schätzen wissen.

Gespannt warten Anwender vor allem auf den geplanten Ersatz für den Modus reduzierter Funktionalität. Diese Methode gegen Raubkopierer hatte Microsoft erst mit Vista vor gut einem Jahr eingeführt, gibt ihn aber aufgrund zahlreicher Beschwerden nun schon wieder auf.

Ab dem Frühjahr wird sich zeigen, ob Vista doch das Zeug hat, dem immer noch amtierenden Platzhirsch Windows XP, zu verdrängen.