Online-Glücksspiel: Post gewinnt, Zocker verlieren

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Einen einigermaßen bizarren Kuhhandel hat die EU mit den USA abgeschlossen, um an eine Kompensation für Einschränkungen beim Online-Glücksspiel zu kommen.

In klassisch heuchlerischer Manier hatten die US-Behörden letztes Jahr einheimischen Banken und Kreditkartengesellschaften untersagt, Zahlungen an europäische Online-Glücksspiel-Sites zu leisten. Das wäre nämlich nach Meinung der Welthandelsorganisation WTO nur dann als moralische Erziehungsmaßnahme zulässig gewesen, wenn die gleichen Regeln etwa auch auf US-amerikanische Anbieter von Pferde- und Hunderennen angewandt worden wären – was aber nicht der Fall war.

Das kostet jetzt. Allerdings kein Geld (die europäischen Wettanbieter beziffern ihre Verluste auf 100 Milliarden Dollar), sondern allerlei Zugeständnisse, die jedoch nicht im Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema stehen. So darf DHL mit neuen Post-Lizenzen ein bißchen mehr Fuß fassen auf dem US-Markt, und europäische Forschungsunternehmen dürfen ihre Dienste auf einfacherem Wege in den USA anbieten.

Die amerikanischen Zocker dagegen sehen ebenso in die Röhre wie die europäischen Firmen, die ihnen gerne ihr Geld abgenommen hätten. Aber immerhin können die Glücksspielsüchtigen auf der anderen Seite des Ozeans bald auch auf die beliebte Wettfrage setzen, ob der Paketbote seine Lieferung tatsächlich hochbringt oder wieder mal so tut, als habe keiner geöffnet, und den orangen Abholzettel einwirft. [gk]

Sydney Morning Herald / AP