Trend: Arbeiten ohne interne Server und Support
Das serverfreie Büro

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Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Während alle Welt auf Sie einredet, wie man Netzwerk und Haus-IT sicherer macht, umbaut, erweitert oder endlich den eigenen Bedürfnissen anpasst, kann die Lösung manchmal heißen: einfach weg damit. Komplettes Outsourcing, sozusagen.

Ist externe EDV sicherer?

Trend: Arbeiten ohne interne Server und Support

Sie würden Ihre Daten niemals in fremde Hände geben? Tun Sie aber längst: Die Bank kennt alle ihre Daten und hat sogar Ihr Geld. Ihr Handy-Provider weiß viel über Sie. Auch die Kreditkartenfirma. Also warum nicht auch einem seriösen Service-Unternehmen alle Ihre Firmendaten anvertrauen? Zumal das heute im sensiblen Buchhaltungsbereich längst gang und gäbe ist (Beispiel Datev). Und auch der Steuerberater hat mehr Finanzdaten von Ihnen auf dem Rechner als Sie selbst.

All diese Profi-Dienstleister machen in der Regel einen guten Job, ohne ihre wertvollen Daten “zu verlieren”, an die Konkurrenz zu verkaufen oder an beliebige Institutionen zu verteilen. Trotzdem machen sich viele Unternehmen Sorgen, ihre Datenbanken, Kundenlisten und Warenwirtschaftssysteme outzusourcen. Dabei gehören die eigenen Server und eine große teure IT-Abteilung schon zum Geschäftsmodell von gestern.

Mal ehrlich: Längst schon brechen die starren Firmenmauern auf. Viele Büro-Angestellte legen heute Heimarbeitstage ein, da sie im eigenen Home Office die gleiche oder sogar bessere Infrastrukturen besitzen und teils sogar effektiver dort arbeiten können. Reisende Manager sowie Vertreter, Verkäufer und Repräsentanten sind heute ohnehin über Notebook, Smartphone und Internet bestens mit ihrem Arbeitsplatz vernetzt und nutzen unterwegs alle Wartezeiten für die Büroarbeit.

Die Firma, wenn sie nicht gerade ein produzierender Betrieb ist, speckt mehr und mehr zur Zentrale ab, wo koordiniert wird, alle Fäden zusammenlaufen und man sich für strategische Absprachen trifft. In Zeiten von individuellen Zielvereinbarungen erübrigt sich das starre Modell der Anwesenheitspflicht – wenigstens in vielen Branchen. Ergebnis: Der Datenstrom wird mehr und mehr via Internet abgewickelt, damit alle mobilen Kräfte und Heimarbeiter versorgt sind und deren Output synchron mit den betrieblichen Abläufen bleibt.


Anfällig und mit Aufwand verbunden: Server im “alten Stil”

Wer so weit ist, könnte auch den nächsten Schritt wagen: So virtuell und flexibel wie die Mitarbeiter kann auch die IT-Infrastruktur sein. Statt sich mit zu kleinen Server-Räumen, explodierenden Stromkosten und zu schwachen Klima- Anlagen herumzuärgern, täte es der frei skalierbare Platz in der Serverfarm ebenso. Dort könnten sie Ihren eigenen Server parken (ab 49 Euro pro Einheit, siehe z.B. das Datacenter der Internetwire Communications), oder gleich fremde Server nutzen (ab ca. 100 Euro/Monat wie bei PlusServer). Die Londoner Firma Virtual-IT wurde durch derartige Services und 99-Prozent-Service-Level-Agreements von Deloitte sogar auf Platz 3 der “Technology Fast50” Großbritanniens gewählt.

Ergänzend wären die nötigen Programme und ihr Support per SaaS (Software as a Service) mietbar. Die Skepsis gegnüber SaaS in Deutschland sei fehl am Platz, meint Werner Grohmann, der Betreiber von saas-forum.net gegenüber der Wirtschaftswoche – meist seien die Rechenzentren hinter den Diensten noch zuverlässiger als die in Unternehmen liegende Technik.

Da kann man sich eigene IT-Mitarbeiter teilweise oder gar weitgehend sparen bzw. gleich virtuell und flexibel über die Freiberuflerbörse Gulp anheuern.


Die Lösung von Morgen

Trend: Arbeiten ohne interne Server und Support

Schon einen Schritt weiter ist IBM: Der Konzern präsentierte jüngst Pläne für “Blue Cloud”, die totale Abkehr vom zentralen Rechenzentrum. Ziel sei eine verteilte und weltweit zugängliche Ressource statt einzelner lokaler Maschinen oder weit abgelegener Serverfarmen – organisiert ähnlich wie das Internet.

IBM will für sein Cloud Computing große IT-Systeme global miteinander verbinden und um IT-Services nebst Web-2.0-Anwendungen ergänzen. Die blaue Wolke werde auf offenen Standards und Open-Source-Software basieren. Den konkreten Produktstart verriet IBM In seiner Pressemitteilung zum Thema Cloud Computing leider noch nicht.


IBMs Serverfarm für das “Cloud Computing” (Foto: IBM)

Darauf muss man aber nicht warten: Neue bzw. junge und überschaubaren Firmen dürfte eigentlich schon das Web-Hosting-Angebot eines Internet Service Providers (ISP) genügen (Beispiel: Die Firma KreativWebService), denn diese bestehen de facto ohnehin aus großen Serverfarmen mit ordentlicher Backbone-Bandbreite. Da wären die Daten auch gleich im Internet, wo sie ohnehin jeder (freie) Mitarbeiter weltweit abrufen und bearbeiten kann bzw. sollte. Bei der Gelegenheit sind dann auch leichter moderne CRM-Lösungen (Customer Relationship Management) wie Salesforce oder SugarCRM sowie eine Web-Buchhaltung beispielsweise über Quickbooks Online Edition zu realisieren. Wer dann noch einen Web-E-Mail-Service für seine Mitarbeiter wählt und wichtige Firmendokumente oder Backups zentral in einem Online-Vault lagert, braucht praktisch keine eigene Server-Hardware mehr. Und entgeht als Nebeneffekt der leidigen Linux/Windows-Diskussion. Von den ganzen Kopfschmerzen rund um Updates, Wartungsarbeiten, Lizenzen und Erweiterungen ganz zu schweigen.

Auch für Datensicherheit, redundante Systeme und Backups sorgen die Anbieter – sonst wären sie schnell weg vom Fenster. Die reale Verfügbarkeit von Server-Farmen wie auch Online- und Saas-Services sei ohenhin höher (bis zu 99,9 % werden versprochen) als jene der landläufigen Haus-IT.

Ergo: Was eine Firma heute braucht, sind ein tolles Geschäftsmodell, kreative Ideen, gute mobile Leute und ein Stapel von Notebooks mit Diebstahlsicherung. Den Rest der Firmen-Infrastruktur finden Sie im Internet – was auch enorm Bürofläche einspart. (rm)

(Bild: Virtual IT)