Österreichische Informatiker: »Zerschlagt Google«

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Es drohen »Realitätsverzerrung und Gefahr für die Kapitalmärkte«: Grazer Informatik-Experten warnen mit einer Studie vor Googles Übermacht und fordern die Zerschlagung des Giganten.

Google gefährdet nicht nur unsere Wahrnehmung der Realität sondern auch bestehende Wirtschafts- und vor allem Kapitalmarktmechanismen: Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer Studie der Technischen Universität Graz in Österreich. »Jeder, der die Situation betrachtet, muss sich dessen bewusst sein, dass Google in noch nie dagewesener Art Macht angehäuft hat und damit unsere Gesellschaft in Gefahr bringt«, so der Haupt-Herausgeber der Studie, Informatik-Professor Hermann Maurer.

Eine der Gefahren, die von Google laut der Studie »Report on dangers and opportunities posed by large search engines, particularly Google« (PDF, 7 MByte) ausgeht: Google hätte gerade als größte Suchmaschine zwar die Möglichkeit, Plagiate im Web zu verfolgen und geistiges Eigentum zu schützen, habe sich aber aus wirtschaftlichen Gründen dazu entschieden, dies nicht zu tun.

(Grafik: Report on dangers and opportunities posed by large search engines, particularly Google)

Unter anderem soll die Studie nachweisen, dass Google mit Wikipedia zusammen arbeitet. Demnach gibt Google bei willkürlich gewählten deutschsprachigen Suchbegriffe in 70 Prozent aller Anfragen Wikipedia als obersten Suchtreffer aus, Yahoo nur in der Hälfte aller Anfragen. Die Gefahr dabei: Da die »Google-Wikipedia-Version der Realität« nicht der Wirklichkeit entspreche, führt googeln künftig zu einer verzerrten Wahrnehmung. Zusammen mit dem genannten Plagiatsproblem würde sich die Realitätsverzerrung durch das »Google-Copy-Paste-Syndrom«, wie es die Autoren nennen, rasch vervielfältigen.

Insgesamt habe Google der Studie nach universelles Wissen darüber erreicht, was auf der Welt gerade geschieht. Damit könne das Unternehmen an den Börsen ohne Risiko Aktien kaufen und verkaufen. Auch könne Google mittlerweile in vielen Bereichen Entwicklungen vorhersagen. Freier Handel basiert jedoch darauf, dass niemand über komplette Information verfüge – und so jeder mal verliere, mal gewinne. »Jeder Spieler, der nie verliert, gefährdet die Grundfeste des Kapitalmarktes«, propagiert das Dokument.

Hauptargument für die Zerschlagung Googles: Niemand würde grundsätzliche Bereiche wie Grundschule, Verkehrsinfrastruktur, Medikamentenzulassung dem freien Markt überlassen – »auch das Internet benötigt eine Regulierung«, notfalls durch Kartellverfahren gegen Google. (tk/mk)
(Tomshardware – pcpro.de)

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