Blog falsch zitiert – Endstation für U-Bahn-Sprecherin

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Die britische Boulevardpresse ist nicht gerade als Hort der Fairness bekannt. Nun riss sie ein weiteres unschuldiges Opfer: Emma Clarke, “the Voice” der Londoner U-Bahn und Hobby-Bloggerin.

Die Synchronsprecherin mit der angenehmen Stimme wollte ihre Homepage etwas aufpeppen und bot die beliebten Tube-Durchsagen (“Mind the gap”) zum Downloaden an. Das war kein Problem für ihren Arbeitgeber. Da die Besuchszahlen ihres Blogs  so vor sich hin dümpelten, motzte sie die Sammlung durch ein paar Spaß-Durchsagen auf. Nicht allzu lustig verkündet sie einen Notfall: ihren eingerissenen Fingernagel. Oder fordert US-Touristen auf, in der U-Bahn leiser zu sein. Auch das wäre kein Problem gewesen, wenn sie nicht ergänzend ausgerechnet dem bekannt schreierischen Boulevard-Blatt Mail on Sunday ein Interview gegeben hätte. Jenes motzte die etwas langweilige Geschichte über die Stimmen-Lady mit unwahren Aussagen auf. Das stand plötzlich, dass sie die Londoner U-Bahn gar nicht möge. Oder sich mit ihren Download-Durchsagen über die Fahrgäste der Tube lustig mache.
Diesen Humbug griffen andere britische und später auch ausländische Publikationen auf. Ohne große Nachfrage oder Untersuchung kündigten die Betreiber der U-Bahn, Transport of London, Emma Clarke den Vertrag. Jene, geschockt durch die unglaublichen Vorgänge, löschte kurzerhand die eigentlich harmlosen Scherzdurchsagen von ihrer Page. Und hofft vielleicht im Stillen, dass die Facebook-Aktionsgruppe Erfolg haben möge. Jene setzt sich dafür ein, dass sie ihren Job zurück bekommt.
Derweil kann sie sich damit trösten, dass der unfreiwillige Medien-Rummel sie als Synchronsprecherin bekannter gemacht hat. Angeblich sollen daraus schon neue Aufträge resultieren. (rm)

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