Thema IT: Wirtschaft uneins mit dem Bund

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Die Wirtschaft will einen “richtigen” CIO für die IT-Aufgaben des Bundes. Die Koalition will nur ein “Gremium”. Dabei wurde gerade die IT in der Industrie aufgewertet: Bitkom-Präsident Scheer wird BDI-Vize.

Eben wurde Bitkom-Chef August-Wilhelm Scheer zum Vize des Bundesverbans der Deutschen Industrie (BDI) gewählt und damit der Stellenwert der IT-Branche in Deutschland erheblich aufgewertet.

Zeitgleich aber entscheidet die Große Koalition sich gegen den Posten eines Bundes-IT-Chefs, wie ihn sich der Branchenverband Bitkom wünscht. Nein, nicht eine verantwortliche Person, sondern ein “Dreiergremium” soll in Zukunft Aufgaben rund um die IT-Koordination in der Bundesverwaltung regeln.

Der enttäuschte Verband schrieb sofort einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel: Das würde hinter dem zurückbleiben, was aus Sicht des Verbandes für ein erfolgreiches IT-Management im öffentlichen Sektor notwendig sei. “Die Rolle des Chief Information Officer (CIO) ist ein Full-time-Job”, unterzeichneten Bitkom-Präsident Scheer, SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann und Deutsche-Telekom-Chef René Obermann – und schickten den Brief postwendend an die Financial Times Deutschland.

Österreich hat bereits einen speziellen Bundesbeauftragten für IT-Fragen; Deutschland hat Bitkom-Mitgliedern zufolge noch nicht verstanden. Ob es sich um Postengeschacher handelt, wird sich zeigen müssen – im Gespräch sind jedenfalls Innenstaatssekretär Hans Bernhard Beus, Kanzleramtschef Thomas de Maizière und Finanzstaatssekretär Axel Nawrath. “Allesamt Beamte, die sich bei den IT-Themen nun mal gar nicht auskennen”, erklären Bitkom-Mitglieder, die aus juristischen Ängsten heraus nicht namentlich genannt werden wollen.

Der Eindruck rund um verbeamtete Postenjäger verschärft sich allerdings, wenn man sich vor Augen führt, dass Merkel schon Anfang September einen Bundes-CIO angekündigt hatte. (mk)

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