Galileo-Schlingerkurs: Das Konsortium stürzt ab

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Kaum hat der EU-Ministerrat die Finanzierung des Projektes gesichert, droht dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo die nächste Krise. Das sieht nach Startabbruch aus.

In manchen Projekten steckt der Wurm drin. Erst gab es das deutsch-italienische Konsortium Galileo Industries, dann stiegen die Franzosen (namentlich Alcatel) ein und formten das neue Konsortium ESN (European Satellite Navigation Industries), welches als Generalunternehmer für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo geradestehen sollte. Doch daraus wird wohl nichts, denn soeben berichtet das Handelsblatt von der ESN-Auflösung.
Die “Partner” EADS Astrium, Alcatel, Alenia, Finmeccanica, Thales und GSS agieren üblicherweise als Konkurrenten auf dem Markt. Das führte schon mehrfach zu Spannungen und nun wohl zum Aus: “Die Verhandlungen der Anteilseigner sehen eine Auflösung vor”, teilte ein Sprecher dem Handelsblatt mit. Die 160 ESN-Mitarbeiter, hauptsächlich in Ottobrunn und Rom stationiert, sollen demnächst in ihre Firmen zurückkehren.
Und nun? Die EU-Kommission sieht die europäische Weltraumagentur ESA in der Pflicht. Jene soll koordinieren und das Programm in mehrere Teile splitten. Deutschland soll die Navi-Satelliten bauen, das französische Unternehmen Thales darf die Bodenstationen ausrüsten. Wer die Systemintegration übernehmen soll, ist noch nicht klar. Diese Funktion gilt in der Industrie als die attraktivste, da der Integrator Zugriff auf die Systemdaten hat. (rm)

Handelsblatt