Südkorea: Umerziehungslager für Internet-Süchtige

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Während in Deutschland noch die Wissenschaftler über die Sucht nach dem Web räsonieren, greift man in Südkorea zur drakonischen Heilung mittels Bootcamp.

Zwei Millionen Internet-Süchtige sind noch garnix: Südkora will es bei einer Bevölkerung von 49 Millionen Einwohnern allein bei den Minderjährigen unter 18 Jahren schon auf 250.000 komplett süchtige und 2,4 Millionen stark gefährdete bringen. Doch es gibt Hoffnung – in Form eines Bootcamps für die ganz harten Fälle.

In dem Lager, das in einem Wald südlich von Seoul liegt, wurden bislang zwei Mal 16 bis 18 männliche Jugendliche für je 12 Tage interniert, um aus ihnen wieder brauchbare Mitglieder der Gesellschaft zu machen (Mädchen sind offenbar weniger anfällig für die Verlockungen des Rechners). Ohne Computer und mit nur einer Stunde Handy-Zugang am Tag (auch auf dem Telefon könnte man ja daddeln) gibt es ein Programm aus körperlicher Ertüchtigung und Team-Building, wie man neudeutsch so gerne sagt.

Anfangs wurden noch Verzweifelte dabei ertappt, wie sie sich aus dem Lager schlichen, um online zu gehen; inzwischen wird dies mit einem strikten Programm aus häuslichen Pflichten wie Wäschewaschen und strenger Aufsicht unterbunden.

Wie heilsam die Erfahrung ist, muss sich erst noch zeigen – allerdings versprachen die ersten Probanden, ihre Internet-Zeit künftig zu reduzieren. So auf vielleicht nur noch 5 Stunden am Tag. [gk]

Sydney Morning Herald / New York Times