Web-Milliardär fordert P2P-Verbot

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Mark Cuban fordert freie Bahn für kommerzielle Nutzung des Internets. Ohne durch P2P verstopfte Röhren.

Der Gründer, Chef und Verkäufer von MicroSolutions (1990, 6 Mio. USD, an Compuserve) und Broadcast.com (1999, 5,7 Mrd. USD, an Yahoo), Mark Cuban, forderte in einem offenen Brief an alle Internetprovider diese dazu auf, P2P-Daten pauschal zu blocken. Damit kommerzielle Anwendungen, also Dinge wie Internet-TV, um so besser flutschen. Interessante Position, ganz anders als noch vor wenigen Jahren, als er P2P-Firmen wie Grokster finanziell unterstützte. Nun zieht er sich auf die Position des Bandbreiten-Vermarkters zurück und will P2P aus den Interwebitubes verbannt sehen. Herr Cuban, möchte ich ihn fragen, Herr Cuban, denken Sie wirklich, irgend- also wirklich überhaupt irgendjemand bezahlt noch sauer verdientes Geld für eine DSL-Flatrate, wenn man überhaupt gar nichts mehr umsonst herunterladen kann? Herr Cuban, ich will gerne zugestehen, dass Multimilliardäre durch ihre statusbedingte Realitätsferne zu den besonders benachteiligten Bevölkerungsgruppen gehören, aber jetzt müssen Sie bitte wirklich einsehen, dass Sie komplett den Kontakt zur Alltagswirklichkeit der Bevölkerungsmehrheit verloren haben. Niemand da draussen, aber auch wirklich niemand, Herr Cuban, interessiert sich für ihre Marketingideen. Das Internet, so wissen die Leute, die von ihrem Einkommen noch Steuern zahlen müssen, weil sie keine Begünstigungsbeteiligungen an Offshore-Funds besitzen, das Internet ist erstens “for porn” und zweitens “for free”. Was Sie da vorschlagen, Herr Cuban, ist ungefähr so realistisch wie eine Abschaffung aller Radiosender, damit mehr Sendespektrum für kommerzielle Mobilfunkdienste zur Verfügung steht. Und? Wer will das? Keiner. Und wie soll man dann damit Geld verdienen? [fe]

Ars Technica