BKA jagt nach Cyber-Training-Camps im Web

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Nicht genug, dass Terroristen in der Wirklichkeit so schlecht zu fassen sind, jetzt breiten sie sich auch im Internet aus.

Auf einer Konferenz für Internetsicherheit (hier war schon die Rede davon) am vergangenen Mittwoch in Wiesbaden trugen Experten alamierende Erkenntisse zur Sicherheitslage im Weltweiten Web vor. So verdeutlichte Gabriel Weimann, Dozent an den Universitäten von Haifa und Mainz (eine seltene Kombination), dass Terroristen sich neuerdings nicht mehr in afghanischen Bergtälern zu Ausbildungszwecken versammelten, sondern im Internet. Dort, so der Experte, habe die sagenumwobene Al Qaeda eine Webseite errichtet, wo dem Terrorismuswilligen erklärt wird, wie man Waffen benutzt, eine Entführung durchführt oder mit Hilfe von Düngemitteln Bomben baut. Als besonders bestürzend bezeichnete der Sicherheitsfachmann Weimann, dass auf diesem Wege Kinder solchen militanten islamistischen Ideen ausgesetzt seien. Er verwies dabei auf ein YouTube-Video, in welchem Kinder die mutmassliche Enthauptung nicht etwa von Richard Löwenherz oder dem Sheriff von Nottingham, sondern dem US-Rüstungslieferanten Nicholas Berg nachspielten. Letzterer kam 2004 im Irak unter nicht völlig geklärten Umständen zu Tode. BKA Präsident Jörg Ziercke verwies begleitend darauf, dass die deutsche Polizei im Jahr 2006 165.000 Fälle von Internetkriminaliät feststellte, was einer Steigerung von 40% gegenüber 2005 entspräche. Unter diesem Verbrechen befänden sich Verbreitung von Kinderpornografie, organisiertes Verbrechen, Wirtschaftsspionage und sogar die Planung terroristischer Taten (letzteres kann nach aktuellem Ermittlungsstand nicht als gesichert gelten). Da wäre es doch sinnvoller, liebe Leser, eine Webseite mit Tipps zur Erkennung und Bekämpfung von Terrorismus einzurichten, gerne auch unter Beteiligung erfahrener israelischer Dozenten und mit einem Kontaktformular zur Meldung terroristischer Planungen, das BKA dafür zu schliessen und die vielen eingesparten Milliarden für etwas Sinnvolleres zu verwenden. Zum Beispiel Entwicklungshilfe für verarmte arabische Länder. Oder Entwicklungshilfe für verarmte deutsche Hartz-4-Kinder. [fe]

Reuters