Internet gräbt den Reisebüros das Wasser ab

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Die Jahrestagung des Deutschen Reise-Verbandes (DRV) gestaltete sich alles andere als euphorisch. Schuld sind die jungen Selbstbucher.

Terrorismus, Klimawandel, hohe Kerosinzuschläge bei den Fluglinien: Die deutsche Reisebranche steckt seit Jahren Nackenschläge ein. Zudem kennen junge Menschen das Reisebüro nur noch vom Hörensagen. Dennoch konnten zumindest die Veranstalter mit gut 20 Milliarden Euro Jahresumsatz wieder an alte Zeiten anknüpfen. Der frühe schneereiche Wintereinbruch lässt die Kassen ebenfalls wieder klingeln. “Die extrem gestiegenen Energiepreise können sich allerdings zu einer Spaßbremse entwickeln”, macht sich DRV-Präsident Klaus Laepple Sorgen.

Während Konjunkturschwankungen und externe Einflüsse wie Anschläge in Urlaubsgebieten oder Unwetterkatastrophen praktisch nicht zu beeinflussen sind, versucht man sich wenigstens auf den Wandel im Online-Geschäft einzustellen.  Netto erwischte es im Jahr 500 Reisebüros: 400 Neugründungen stehen 900 Schließungen gegenüber. Nicht nur wandern Kunden ins Internet ab, auch schrumpfen die Margen. Daran sind unter anderem die Fluggesellschaften Schuld, die heute mehr auf Direktvertrieb – gerne übers eigene Webportal – setzen. Billig-Fluglinien bestehen sogar darauf. Auch Hotelübernachtungen und Leihautos werden verstärkt selbst online gebucht. TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher sprach kürzlich von einer “dramatischen Situation” und sieht die gesamte Branche vor einem gewaltigen Wandel mit noch nicht absehbaren Folgen. Der Verband hält da bislang nur mit einer Imagekampagne für die Reisebüros dagegen. Das hilft wohl weniger als die Aktion von Billigflieger Easy Jet, der seit wenigen Tagen Tickets gegen einen Aufpreis von 7 Euro je Strecke auch in 8.000 deutschen Reisebüros anbietet. Die andere Idee der großen Touristik-Anbieter: Weg von den Richtpreisen für Katalogangebote. Herrlich. Ich glaube nicht, dass die starren Preise in der Broschüre die Kunden vertrieben haben, sondern die Tatsache, dass man überhaupt im Katalog blättern musste. Reisebüros verkamen doch in Wirklichkeit oft zur Broschüren-Ausgabestelle. Vernünftige, sachkundige Beratung über Länder, Klima, Freizeitaktivitäten? In der Regel Fehlanzeige! (rm)

FAZ