Unheimliche Mobil-Services
Wer will seine Daten mobil preisgeben?

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Location-Based Services (Standortbezogenen Dienste) haben großes Potential. Der Schuss wird nach hinten losgehen, wenn der Datenschutz nicht angemessen berücksichtigt wird – aktuelle Produkt-Ankündigungen bereiten noch mulmige Gefühle.

Wann wird Rumpelstilzchen businesstauglich?

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“Rumpelstilzchen kann sich nicht mehr verstecken, denn Big Brother hat es im Visier” dichtete unsere Übersetzerin kreativ, um den Inhalt des Originaltextes unseres britischen Kollegen kurz zu skizzieren. An sich geht es um neue Entwicklungen in der IT-Industrie, die praktische Dienste ermöglichen – doch in jedem Fall den Argwohn der Datenschützer hervorrufen werden. Und so sind wieder einmal die experimentierfreudigen “will haben”-Nutzer in den Vereinigten Staaten der Testmarkt für solche Services. Erst wenn diese Dienste ausgetestet und businesstauglich sind, kann man sie auf den europäischen Kunden loslassen.

Anfang Oktober hat etwa Tom Coates von Yahoo Fire Eagle vorgestellt, einen geographischen Dienst, der jetzt gerade noch die Alpha-Testphase durchläuft und Daten für standortbezogene Internet-Anwendungen zur Verfügung stellen will.

Coates machte klar, das jegliche Geo-Dienste zwei Seiten haben. Die erste: Man muss wissen wo man sich befindet. Und die zweite: Man sollte mit dieser Information etwas Nützliches anfangen. Fire Eagle zielt darauf ab, die inhärenten Schwierigkeiten, den Standort einer Person zu erkennen, mittels verschiedener Techniken zu lösen – einschließlich manueller Eingabe. In einer Welt, die immer drahtloser wird, löst sich das Problem ganz von selbst.


Kreative Mobildienste entstehen gerade noch

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“Eine Anwendung auf meinem Mobiltelefon könnte meine Cell-ID alle 10 Minuten zu Fire Eagle senden”, meinte Coates. “Wir verfügen bereits über Anwendungen, die das können. Die gleiche Anwendung kann sich in ein GPS-System einklinken.”

Die nächste Frage ist: Wie kann man die Daten verwenden? Fire Eagle wird eine offene API veröffentlichen, die für jede Anwendung verfügbar ist, für die der Nutzer den Zugriff erlaubt. “Wenn man weiß, wo sich jemand befindet, kann man demjenigen eine fast unvorstellbare Menge von Informationen zur Verfügung stellen: Freunde, Nahverkehr, Fernsehsender, Wettervorhersagen, Luftqualität, Wechselkurse, örtliche gesetzliche Vorschriften wie Geschwindigkeitsbeschränkungen sowie interessante Örtlichkeiten in der Nähe”, sagte Coates.

Man könnte eine automatisch für den Standort passende Homepage bauen lassen, wo Restaurants, Geschäfte, Taxis oder Finanzdienstleister in der Nähe ersichtlich sind

Ein weiterer Dienst in dieser Richtung ist Dopplr, ein soziales Netzwerk für Menschen, die häufig reisen – und das es einfacher gestaltet, Kontakte mit Leuten in der Nähe aufzunehmen. Dopplr ist gerade im Betatest.


Neue Chancen für Werber

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Auch für die Werbe-Industrie bieten sich interessante Möglichkeiten. Man kann sich gut vorstellen, dass die großen Social Networks wie Facebook oder LinkedIn ihre eigenen Äquivalente zu Fire Eagle entwickeln oder einfach den Yahoo-Dienst nutzen – ganz zu schweigen von den offenen Standards von Google, die sicher um Vergleichbares erweitert werden.

Wenn man den Standort zusammenbringt mit Facebooks Konzept des “sozialen Graphen”, erhält man eine mächtigere Plattform für Anwendungen, die sowohl auf unseren geschäftlichen Aktivitäten und persönlichen Beziehungen aufbaut als auch auf dem Ort, wo man sie braucht. Der Gewinn für die Betreiber ist die Möglichkeit, wirklich kontextbezogene Werbung zu veröffentlichen. Außerdem kann dies unsere Online-Identitäten mit dem echten Leben besser verknüpfen und den Plattformen eine engere Bindung der Nutzer bringen.


Herausforderung mobiler Datenschutz

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Das klingt ja alles großartig! Aber wie steht es mit dem Datenschutz?
Wie nutzt man all das, was heutzutage möglich ist, ohne noch angreifbarer für den Diebstahl persönlicher Daten oder andere Verbrechen zu werden?

Man muss ein einfaches Prinzip einhalten und das hat Microsofts Kim Cameron als das zweite seiner “Gesetze der Identität” formuliert. Sein Gesetz heißt “Minimum Disclosure” und besagt, dass nur “die kleinste Menge an identifizierender Information offen liegen darf und deren Verwendung am besten begrenzt ist” – nur so sei es eine stabile langfristige Lösung, schreibt er.

Fire Eagle aber ist durch und durch unheimlich. Ich werde wesentlich mehr beeindruckt sein, wenn Yahoo überzeugend demonstrieren kann, wie hier das Prinzip der “minimal disclosure” eingehalten wird.