Intels Pat Gelsinger: Wie sich Computing-Konzepte ändern

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Im zweiten Teil des exklusiven Interviews erklärt uns Intels Senior Vice President, was er von Thin Clients, Virtualisierung und dergleichen hält. Und Martin Veitch wollte für den INQUIRER wissen, warum Notebooks noch immer nicht den ganzen Tag durchhalten:

Es ging im zweiten Teil um die großen Veränderungen, die heute im Computing stattfinden. Es überrascht vielleicht nicht besonders, dass der für Intels Digital Enterprise Group verantwortliche Pat Gelsinger eher wenig für Client-Gerätschaften übrig hat, die ohne ordentliche lokale Verarbeitungsleistung daher kommen. Es begann aber mit einer Nörgelei darüber, dass Notebook-Akkus immer dann den Geist aufgeben, wenn man zur Hälfte mit einem Artik …

Die mobile Computernutzung hat sich offensichtlich schwer verändert, was den Verbrauch an MIPS angeht. Wie kommt es aber, ächze ich, dass Notebooks noch immer nicht den ganzen Tag lang laufen?

„Was ist das Ziel?“ fragt Gelsinger. „Den ganzen Tag damit arbeiten zu können, was ich als zehn Stunden mit aktivem WLAN täglich definiere. Wir sind mit der CPU gut vorangekommen. Die weiteren Probleme liegen bei den Komponenten und dem Betriebssystem, wenn das System nichts macht außer alle 100 Millisekunden auf Aktivitäten zu überprüfen. Solche Dinge zu verändern ist ziemlich schwierig, ob man nun die Festplatte aus dem Notebook reißen will oder wie auch immer.“

Gut, aber bis wann? Gelsingers Antwort fällt vage aus, die Lösung sei „noch Jahre entfernt“.

Wie steht dann um das Server-based Computing? Intel hat gewiss ein begründetes Interesse, den Status quo des Client-Server-Modells zu erhalten, aber deuten nicht längst alle Zeichen auf den Server in den Wolken oder zumindest das Datencenter, die das Computing der nächsten Generation bestimmen sollen?

Gelsinger nimmt sich eins nach dem anderen vor.

„Sie können Thin-Terminals bekommen bis zurück zu den Terminals vom Typ 3270. Wir sind keine Befürworter dieses Konzepts. Wir denken, das führt aus der Zukunft in die Vergangenheit, denn Server-MIPS sind teurer. Es ist zudem ein Mythos, dass Bandbreite nichts kostet und es keine Netzwerklatenz gibt. Es gibt andere Beispiele wie VDI, und das ist auch nicht viel effizienter. Wir sind von einem Streaming-Modell überzeugt, bei dem man den Server auslastet und die Daten lokal speichert. Das vereinigt das Beste beider Welten. Es bringt die Datencenter-Kontrolle, nach der der IT-Mann verlangt, die (zentralisierte) Speicherung für essentielle Dinge wie etwa Bilanzdaten, und der Traffic hält sich sehr in Grenzen. Der Client kann ein Client mit oder ohne Laufwerk sein, aber das hängt einfach davon ab, was man damit vor hat. Dell bietet Clients auch ohne Laufwerk an. Man kann ein Laufwerk einbauen und es als Cache benutzen oder noch immer mit einem lokalen Betriebssystem zu arbeiten. Mit vPro versuchen wir den Client identisch zu machen (um alle Szenarios zu ermöglichen).“

Wie sieht es mit Virtualisierung aus? Intel gefiel sie so gut, sich ein Stück weit einzukaufen und 218,5 Millionen $ für 2,5 Prozent von VMware zu bezahlen. Es dürfte ein ernüchternder Gedanke für mögliche Wettbewerber sein, dass Intel mit dieser Investition bereits mehr herausgeholt hat als viele bekannte Firmen in diesem Jahr überhaupt umsetzen. Doch Gelsinger lässt sich von dem Hypervisor-Hype nicht mitreißen – vielleicht, weil er zugleich die verlorenen Server-Verkaufschancen im Blick hat.

„Wir glauben, dass sie noch immer in den Kinderschuhen steckt und einen langen Weg vor sich hat. Weniger als 10 Prozent der Server setzen sie ein, und bei den Clients haben wir noch nicht einmal die Oberfläche angekratzt.“

Im weiteren aber werden Load-Balancing, Ausfallsicherung, Redundanz, selbst unternehmenskritische Anwendungen wahrscheinlich Vorteile daraus ziehen. Die entstehenden Cluster könnten „robuster als ein Mainframe“ sein, meint er. Aber es sei eben noch die Anfangszeit der Virtualisierung, und in der Wettbewerbslandschaft gebe es nicht besonders viel, nun ja, Wettbewerb.

Doch wird VMware der 800-Pfund-Gorilla bleiben? Vielleicht nicht, überlegt Gelsinger, ohne direkt auf Parallels und Virtual Iron sowie die erneuten Anstrengungen von Citrix-XenSource sowie Microsofts Viridian zu verweisen.

Was noch alles kommt in dieser Woche: Gelsinger über den Classmate PC, OLPC, den Tablet PC, wie Intel überlegte, eine GPU-Firma zu kaufen, die Wintel-Beziehung, wie AMD Intel eine Lektion erteilte, sein beschämendes Mac-Geheimnis – sowie die erstaunliche Geschichte von „Kicking Pat“ und Inquirer-Gründer Mike Magee.

(von Martin Veitch / ins Deutsche übertragen von Bernd Kling)

Teil 1: Intels Pat Gelsinger im INQ-Interview: Chips müssen immer schneller werden

Inquirer UK