Studie: Web2-Blase platzt 2012!
Die Rückkehr des Web-Wahnsinns

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Marktbeobachter und eine eben veröffentlichte Studie sehen eine bald platzende Web-2.0-Blase.

Online-Milliarden vor dem erneuten Aus?

Studie: Web2-Blase platzt 2012!

Virtuelle Gemeinschaften, die möglichst noch selbst für neue Kunden und fabelhaften Inhalt sorgen, sollen laut einer brandneuen Datamonitor-Studie bis zum Ende des Jahres auf 230 Millionen Aktive anwachsen. Doch der schöne Traum von den automatisch hereinströmenden Online-Milliarden könnte schon bald häßlich enden.

Es erinnert an die Jahrtausendwende: Internet-Unternehmen mit ausgefallenen Namen, geringen Umsätzen und wenigen Kunden werden zu hohen Preisen an größere Firmen verkauft. Es scheint so, als hätten die Investoren die Auswirkungen der geplatzten Dot-Com-Träume bereits vergessen, konstantierte gestern erstaunt die New York Times.


(Schöne neue Welt Web2: bald am Ende? Bild: Avidos.net)

Die Kaufwut der Investoren wirke wie Herdentrieb. Die Bewertungen würden auf ökonomischer Basis oft jeder Rationalität entbehren, warnt Bank-Analyst Hans Engel. Beispiel Facebook. Die Social-Networking-Plattform, an der Microsoft Interesse zeigte, wird von Investoren mit 15 Milliarden Dollar (gut 10 Mrd. Euro) bewertet. Yahoo zum Vergleich soll nur doppelt so viel wert sein – mit einem 32 Mal so hohen Umsatz.

YouTube-Besitzer Google hat nun einen Aktienkurs jenseits der 600 Dollar. Das ergibt in der Summe einen höheren Börsenwert als bei IBM. Doch der Technologiekonzern macht achtmal mehr Umsatz. Das ergibt im Umkehrschluss ein erhöhtes Risiko für die Investoren, denn die Web-Unternehmen rennen dem Umsatz hinterher. Von Profiten redet kaum jemand – wie anno 1999.

US-Branchenbeobachter beschreiben die aktuelle Situation schon “als Rückkehr zum Wahnsinn”, berichtet die New York Times. Die Branche sei zu den Fehlern der Jahrtausendwende zurückgekehrt, bringt es Piper-Jaffray-Analyst Aaron Kessler auf den Punkt. “Die Internet-Unternehmen kaufen Kunden statt Umsätze und Profitabilität” wundert sich Kessler. Von den Sicherheitsrisiken (wir berichteten hier und hier) oder den Copyright-Problemen der Social Networks wolle er erst gar nicht anfangen zu reden.


Studie: Krise kommt erst in 5 Jahren

Studie: Web2-Blase platzt 2012!

Etwas weniger dramatisch beurteilen die Marktforscher die Web-2.0-Situation. Die erst heute (18.10.07) veröffentlichte Datamonitor-Studie “The Future of Social Networking” sieht die Krise erst in fünf Jahren kommen.

“Die Wachstumsmöglichkeiten für Social Networking sind momentan noch grenzenlos”, glaubt Technologie-Analystin Ri Pierce-Grove. Datamonitor taxiert den Branchenumsatz für dieses Jahr auf 965 Millionen Dollar (690 Mio. Euro) – sieht bis 2012 ein Wachstum auf 2,4 Milliarden Dollar (ca. 1,7 Mrd. Euro). Doch wird das den Investoren reichen? Zumal bis dahin wie beim Schneeballsystem das Wuchern des Netzwerkes an seine Grenzen stoße, so die Studie. In den USA passiere das sogar noch früher.

Sorgen über das (finanziell) überschaubare Volumen dieses Web-2.0-Kerngeschäfts machen sich die Marktteilnehmer genauso wenig wie beim ersten Internet-Boom. Momentan fürchten die Investoren mehr, die Anfänge des nächsten Web-Hits à la Google oder Yahoo zu verpassen, warnen die Datamonitor-Marktforscher. Auf der anderen Seite machen sie zynische Investoren aus, die sich zurückhalten und daran erinnern wie wenige Firmen den letzten Crash überstanden haben. Diese Kommentare im Markt halten laut Datamonitor die Mehrheit der Network-Portale davon ab, selbst per IPO an die Börse zu streben. Daher werde direkt an große Konzerne verkauft.


“Alte” Portale saugen neue Funktionen auf

Studie: Web2-Blase platzt 2012!

Die Studie hat auch noch ein weiteres Risiko für Soziale Netzwerke gesichtet: Gewachsene Portale und Web-Angebote fangen einfach damit an, die Networking-Funktionen in die eigenen Offerten einzubauen. Bald könnte die Notwendigkeit von separaten Networks für manche entfallen.

“Mit zunehmender Zahl von Alternativen wird es für etliche Anbieter schwer, unabhängig im Markt bestehen zu können”, warnt Pierce-Grove.

Die ersten Risikokapitalgeber haben sich schon heimlich, still und leise von einigen Projekten zurückgezogen. Wann die Masse der Anleger folgen wird und die Web2-Blase zum Platzen bringt, steht noch in den Sternen -oder in der aktuellen Datamonitor-Studie, die sich nicht scheut, konkrete Zeitpunkte zu nennen. (Ralf Müller/mk)

Bilder: kleiner Aufmacher: Pixelio.de.