Musikindustrie gewinnt Grundsatzurteil

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Es traf Jammie Thomas, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Sie soll 222.000 $ an die RIAA abdrücken – und es musste so gut wie nichts bewiesen werden.

Sie soll angeblich 24 Songs per P2P verfügbar gemacht haben. Und damit die Musikrechte von Bands wie Journey, Green Day und Aerosmith verletzt haben. Bezirksrichter Michael Davis zog mit den Forderungen der Recording Industry Association of America (RIAA) mit, ohne lange nach Beweisen zu fragen.

Erstens: Die Rechteverwerter mussten nicht beweisen, dass die Beklagte eine File-Sharing-Software auf ihrem Rechner installiert hatte. Und das zum Teil deswegen, weil Jammie Thomas später eine neue Festplatte gekauft hatte.

Zweitens: Es musste nicht bewiesen werden, dass die Beklagte tatsächlich an der Tastatur gesessen hatte, als die Schnüffler der RIAA auf ihren Share-Folder zugegriffen hatten. Daraus ergibt sich, dass man auch dann immer verantwortlich ist, wenn andere sich Zugriff auf den eigenen PC verschaffen und ihn heimlich für ihre Zwecke nutzen.

Drittens befand Richter Davis, dass die Geschworenen eine Urheberrechtsverletzung feststellen konnten, selbst wenn niemand die Dateien jemals heruntergeladen hatte. Die RIAA musste nicht einmal beweisen, dass Downloads durch andere erfolgten.

Die 30-jährige blieb während des Verfahrens bei ihrer Aussage, dass sie nicht Kazaa-Benutzer „Tereastarr“ war, dessen Dateien die RIAA-Ermittler aufgespürt hatten. Der richterlichen Entscheidung zufolge genügt es für einen Schuldspruch der Jury jedoch als Beweis, dass ihre IP-Adresse und die Kennung ihres Kabelmodems offenbar benutzt wurden, um 1702 Dateien zum Tausch anzubieten.

Die RIAA hatte aufgrund von 24 Songs geklagt. Die zwölf Geschworenen verurteilten Jammie Thomas zu einer Schadenersatzzahlung von 9250 $ für jeden dieser 24 Titel.

(von Nick Farrell/bk)

Inquirer UK

Wired