Können IT-Manager nicht planen?
Der Preis der Wahrheit im Projektmanagement

IT-ManagementIT-ProjekteKarriereNetzwerk-ManagementNetzwerkeSoftware

Projektmanagement ist mehr als nur gut Planung. Daniel Hinderink von dpool kommentiert, wie gerade die IT-Dienstleister noch nicht ganz begreifen, worauf es eigentlich ankommt.

IT-Projekte tendenziell falsch eingeschätzt

Können IT-Manager nicht planen?

Zum einen ist eine gute Vorbereitung on IT-Projekten wichtig, damit sie funktionieren – hierzu gibt es zahlreiche Tools. Hier lesen Sie, worauf es bei der richtigen Auswahl von Projektmanagement-Software ankommt.

Zum anderen sind jedoch auch die menschlichen Problematiken einzubeziehen. Daniel Hinderink hat aus Internet-Recherche und seiner Erfahrung mit IT-Projekten einen lehrreichen Hintergrund-Bericht zum Thema verfasst:

Henry Rollins, einer der Pfeiler des alternativen Amerika mit eigener TV-Show und eindeutigen Ansichten zur Freiheit des Internet soll vor einigen Jahren Lyrikstudenten an der Hochschule der Künste in Wien mit dem Satz “The truth will always protect you” zum Weinen gebracht haben. Man sollte ihn vielleicht einladen in einem Branchenforum auftreten, um IT- (und andere) Dienstleister von dieser Einsicht zu überzeugen.

Selbst jene, die es aus Erfahrung besser wissen müssen, schätzen laut diesem gern zitierten Artikel Projekte tendenziell falsch ein. In zehn Jahren habe ich fast kein Projekt erlebt, dass richtig eingeschätzt wurde und auch keine nennenswerte Anzahl von Account Managern kennen gelernt, die es auf sich genommen haben, den Kunden so früh anstatt so spät wie möglich über Verzögerungen zu unterrichten. Ist das einfach nur Realitätsverweigung?


IT-Projekte: Optimismus statt Realismus?

Können IT-Manager nicht planen?

Es könnte ja auch Kalkül sein? Zum Beispiel unter der Annahme, dass der Auftraggeber ohnehin nicht damit rechnet, das Projekt zeitgerecht abzuschließen und Nachrichten über Verzögerungen am Ende leichter aufnimmt als am Anfang? Vielleicht ist es auch einfach ein wesentlicher Teil des Eigenmarketing mit Überstunden und Torschlußpanik auf die eigene Opferbereitschaft aufmerksam zu machen? Vielleicht hofft man, dass wer sich einmal in die Bresche geworfen hat als Verbündeter wahrgenommen wird und nicht so leicht ersetzt werden wird?

Optimismus anstatt Realismus geht nichtsdestotrotz nur solange gut, wie der letzte Drücker doch noch ausreicht, um rechtzeitig über die Ziellinie zu kommen. Aber selbst wenn es gut geht, ist das Risiko dieser Vorgehensweise zu hoch und raubt die Reaktionsfähigkeit. Zwei breit erprobte und erfolgreiche Möglichkeiten bieten sich an, um diese Probleme zu vermeiden:

1. die Aufteilung in kleine Projekte, getreu dem Motto “in every large project lives a small one wanting to get out”,

2. und der, in der oben genannten Publikation von Kahnemann und Lovallo für unersetzlich erklärte Vergleich mit Referenzprojekten. In Kombination wird das Risiko des Einzelprojekts beherrschbarer und alle Beteiligten davor bewahrt, Opfer ihres eigenen Optimismus zu werden.

Der Egomane Rollins, des Optimismus gänzlich unverdächtig, hat in einem damals viel beachteten Videoclip “I am a liar” und dabei erschreckend ehrlich ausgesehen. Soviel Ehrlichkeit kann sich wohl nur noch das Show Biz leisten, das reale (Wirtschafts-) “Leben” braucht schon ein paar Methoden und Regeln, um sich nicht notorisch zu eigenen Gunsten zu verschätzen. Zeit die richtigen Fragen zu stellen.

Daniel Hinderink, dpool

IT Frontal
ist das Weblog der IT-Insider und ein “Ableger” von IT im Unternehmen. Hier berichten IT-Profis aus ihrem Alltag. IT im Unternehmen veröffentlicht von Zeit zu Zeit ausgewählte Blogbeiträge im Web.