IT-Kunden zeigen coolen Tools die kalte Schulter
Das Karrusell des Erfolgs

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Warum setzen Firmen manche Technologien erst dann ein, wenn sie bei der Allgemeinheit das Image von Seriosität erlangt haben? Ein Kommentar von Kelvyn Taylor, IT Week.

“Technica non grata”?

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Nichts ist frustrierender für mich, als wenn eine wirklich taugliche Technologie aus irgendeinem Grund ins Abseits geschoben wird.

Der Sache läuft meist nach dem folgenden immer gleichen Muster ab: Firma X kündigt Produkt Y an, das eine schicke neue Technologie einsetzt, mit der die Benutzer Z tun können, was sie vielleicht glücklicher macht, zumindest jedoch produktiver arbeiten lässt. Meist ist gerade noch von allen Seiten ein bewunderndes “Wow” vernehmbar, bevor die gesammelte Liga von Untergangspropheten der Welt klarmacht, dass diese Technologie jedes Netzwerk innerhalb von Millisekunden in das größte Bot-Net aller Zeiten verwandelt und deshalb um alles in der Welt vermieden werden muss.

Der Konsumenten-Markt reißt nun die Technologie an sich und ersinnt “innovative” Arten ihrer Verwendung, und schon erobert sie die Welt. Im Unternehmensbereich taucht sie so lange nicht auf, bis ein Anbieter ihr einen neuen Namen gibt und sie zu einem Preis, der sich gewaschen hat, zum neuen Hit in jedem Betrieb macht – was seinerseits teure Consultants auf den Plan ruft.

Phase eins dieses Prozesses mussten einige der vielversprechendsten und mächtigsten Technologien durchlaufen, die es in den letzten Jahren gab – und die, was ihre weltweite Popularität angeht, zu den erfolgreichsten gehören. Eines der besten Beispiele ist vielleicht Peer-to-Peer-Filesharing (P2P), das vor allem im außerordentlich innovativen BitTorrent-Modell Anwendung findet. Ich erinnere mich noch, dass Firmen wie Intel und Microsoft den großen Auftritt von “Business-P2P” unterstützten, doch schon bald wurden deren Bemühungen als “unerwünschte Technologie” stigmatisiert und verschwanden spurlos in der Welt der End-User.


Untergehende Spitzentechnolgie, Beispiele

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BitTorrent, Grundlage von vielen Content Delivery-Diensten im Unternehmensbereich, wie etwa die von Solid State Networks-Services, nähert sich gefährlich dem letzten Stadium dieses Phänomens. Und FolderShare, eine sichere, geschäftsorientierte P2P-Anwendung, die bei ihrem ersten Erscheinen vor ein paar Jahren von Microsoft höchstpersönlich gelobt wurde, wurde von eben diesem aufgekauft, um nun in die Innereien von Live Messenger einzugehen.

Andere traurige Geschichten könnte man über PC-Remote-Control und Remote-Access erzählen. Obwohl auch hier ein sprunghafter Erfolg zu verzeichnen ist, scheinen viele Anwender die Vorteile nicht zu erkennen, da es – begründete – Sicherheitsbedenken gibt. SMTP-Mail-Schaltstellen ereilte dasselbe Schicksal – wie einfach war es doch einst, E-Mails von überall abzuschicken. Instant Messaging hat es zwar in die Unternehmen geschafft, wird aber immer noch mit Skepsis betrachtet.

Es gibt mit Sicherheit noch eine Menge weiterer Beispiele. Das Schlimmste an der Sache ist, dass viele Technologien am Ende hauptsächlich unter dem kulturellen und sozialen Druck der Anwender populär werden, aber nicht weil sie sich in irgendeiner Weise zum Besseren entwickelt hätten.

Nach meiner persönlichen Überzeugung ist dies aber kein gangbarer Weg für Unternehmen, die den Anspruch haben, immer eine Nasenlänge voraus zu sein.