Kanadische Polizei fantasiert von Piraten-Milliarden

Allgemein

Ihre Zahlen über angebliche Schadenssummen waren scharfe Munition, um die Urheberrechtsgesetze zu verschärfen. Und erwiesen sich als Rohrkrepierer.

Eigentlich hat die RCMP (Royal Canadian Mounted Police) nicht den schlechtesten Ruf. Und so berief sich der US-Botschafter in einer Rede auf den angeblichen Schaden in Höhe von 30 Milliarden $, den die bösen Piraten angeblich jedes Jahr in Kanada anrichten. Und er hielt diese Rede im März 2007, um die kanadischen Gesetzgeber zu einer härteren Gangart in Sachen Urheberrecht anzutreiben.

Einem kanadischen Blogger kam dieses Zahlenwerk gar nicht kanadisch, sondern reichlich spanisch vor. Und ihm fiel ein, dass es in seinem Land so etwas wie ein Gesetz für freien Informationszugang gibt. Er berief sich darauf und fragte einfach mal nach, wie die Mounties das denn so ermittelt hätten.

Hatten sie gar nicht. Sie hatten einfach mal so ein bisschen im Internet gesurft und nach irgendwelchen Angaben gesucht. Und die Zahlen letztlich einem oberflächlichen TV-Bericht entnommen. Der hatte die astronomischen Zahlen wiederum von einer International Anti-Counterfeiting Coalition gesteckt bekommen. Und hinter der stecken wiederum die Rechteverwerter von Film, Musik und Software. Plumpe Lobby-Propaganda war somit als das Ergebnis unabhängiger polizeilicher Ermittlungen ausgegeben worden.

Vielleicht versuchen sie bald ihre Fälle zu lösen, indem sie bei Wikipedia nachsehen, wer denn der Täter gewesen sein könnte?

(von Nick Farrell/bk)

Inquirer UK

Toronto Star

Michael Geist’s Blog

US-Konzerne: Kanada ist ein Piraten-Nest