Virtualisierungs-Software: Virtual Box 1.5
Windows nahtlos unter Linux

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Einfach zwischen Linux, Windows und Mac OS X umschalten, als ob man von der Textverarbeitung zum Browser springt. Mit der VMware-Konkurrenz Virtual Box geht das, denn es laufen mehrere Betriebssysteme gleichzeitig auf einem Rechner. Wir haben die neue Version getestet.

Anfangsschwierigkeiten der Virtualisierung

Virtualisierungs-Software: Virtual Box 1.5

Auf dem Prüfstand steht die neue Version 1.5 des Virtualisierungs-Tools Virtual Box, von der es auch eine abgespeckte Open-Source-Version (ohne USB-, RDP- und iSCSI-Support) gibt. Trotzdem ist die Version im Test für den privaten Gebrauch kostenlos.

Leider gibt es keine Möglichkeit, einfach ein Update für Version 1.4 einzuspielen. Die Vorgänger-Version muss komplett deinstalliert werden. Nach der Neuinstallation sind im Test aber alle virtuellen Maschinen wieder einsatzbereit. Einziges Problem: Die Zuordnung von eingerichteten Netzwerk-Bridges schlägt fehl. Das lässt sich aber mit drei Mausklicks wieder beheben.

Das Highlight im neuen Release: Nutzer können in den so genannten “Nahtlos Modus” umschalten ([Host]+[L]); Programme aus einer virtuellen Windows-Installation sehen aus, als ob sie direkt auf dem Host-Betriebssystem laufen würden. Das explizite Umschalten in die virtuelle Maschine entfällt, ein angenehmes und vor allem zeitsparendes Feature. Der Clou dabei: Die Windows Taskleiste klinkt sich auf dem Desktop des Host-Systems ein, etwa oberhalb der Vista-Taskleiste (siehe Screenshot) oder im Fall von Linux über der KDE-Menüleiste.

(Die Verwaltung von virtuellen Maschinen ist übersichtlich, die wichtigsten Funktionen sind immer nur einen Mausklick entfernt)


Profi-Funktionen für alle Betriebssysteme

Virtualisierungs-Software: Virtual Box 1.5

Virtual Box läuft auf Windows (ab 2000 SP3), Linux und momentan als Beta 2 unter Mac OS X (auf Intel-Hardware). Auch die Anzahl der Gastsysteme kann sich sehen lassen. Es werden alle wichtigen Windows- und Linux-Versionen unterstützt, zudem Open BSD, OS/2 und DOS mit Einschränkungen. 64-Bit-Gastsysteme sind mit Virtual Box derzeit nicht möglich.

Per Checkbox lässt sich jetzt Hardware-Virtualisierung einfach zuschalten, falls der Prozessor das unterstützt. Beim Vorgänger war da noch ein mühsamer Umweg über die Konsole nötig. Praktisch sind auch die Statusanzeigen für USB-Schnittstellen und gemeinsame Ordner, die jetzt neben der Aktivität von Festplatten, DVD-ROM, Diskette und Netzwerk am unteren Fensterrand angezeigt werden.


(Nahtlose Integration: Windows XP als Gast auf einem Vista-System; die zwei Taskleisten und die unterschiedlichen Explorer-Fenster zeigen das gelungene Nebeneinander)

Die Bedienung ist vorbildlich. Für die Einrichtung einer virtuellen Maschine brauchen versierte Nutzer nicht länger als zwei Minuten, ein übersichtlicher Wizard führt aber auch Virtualisierungs- Neulinge sicher zum Ziel. Die Betriebssystem-Installationen selbst dauern kaum länger als auf einem »echten« PC.

Vorteil für den professionellen Einsatz: Gastbetriebssysteme können jetzt bis zu 2 GByte RAM nutzen, Windows XP x64 und 64-Bit-Versionen von Vista werden als Host-Systeme unterstützt und virtuelle Maschinen können jetzt auch per PXE (Preboot Execution Environment) über ein Netzwerk gestartet werden (mehr über PXE-Server unter Linux lesen Sie hier).

Wer Images von virtuellen Maschinen in einem Storage Area Network ablegen will, bekommt mit Virtual Box gleich einen passenden iSCSI-Initiator mitgeliefert. Damit aber die iSCSI Targets als Festplatten erkannt werden, ist ein Ausflug auf die Kommandozeile nötig. Das Kommando zur Anbindung eines Targets lautet: VboxManage addiscsidisk server »IP-Adresse« -target »Target-Name«. Alternativ können Sie auch noch Benutzername, Passwort sowie LUN (Logical Unit Number) und Port angeben. Apropos Images: Virtual Box unterstützt das VMware-Disk-Format.

Genügend Speicher vorausgesetzt, reagiert Virtual Box flüssig auf alle Kommandos und vergrößert Fenster ohne Probleme auch in den Vollbild-Modus. Die Grafikleistung verbessern Nutzer durch die mitgelieferten Gasterweiterungen (Geräte/Gasterweiterungen installieren). In dem Paket stecken optimierte Treiber für Windows und Linux, mit denen die Gastsysteme höhere Bildschirmauflösungen schaffen. Im Test klappt das bei Windows- und Linux-Gästen ohne Probleme; während bei Windows ein Doppelklick genügt, müssen “Linuxer” zusätzlich ein Skript über sh ./VboxLinuxAdditions.run starten.


(XP, Vista und Linux auf einer Maschine: Unten ist die nahtlose XP-Integration zu sehen, darüber Ubuntu Linux in einer »normalen« virtuellen Maschine)


Testergebnis Virtualbox 1.5

Virtualisierungs-Software: Virtual Box 1.5

Fazit
Virtual Box muss sich nicht vor VMware Workstation oder Virtual PC verstecken. Es ist einfach zu bedienen, bietet eine Menge nützlicher Funktionen und arbeitet schnell und stabil. Außerdem haben die Entwickler an den richtigen Stellen nachgelegt, das Update lohnt also in jedem Fall.

Produktname: Virtualbox 1.5
Hersteller: Innotek
Internet:
www.virtualbox.org
Preis:
kostenlos (Privatgebrauch und Test); auf Anfrage (Unternehmenseinsatz)

Note gut
Leistung (40%): gut
Ausstattung (30%): gut
Bedienung (30%): gut

Das ist neu

– Nahtlose Windows-Integration
– Support für XP/Vista x64 Host-Systeme
– PXE Boot-Funktion

Systemvoraussetzungen
Betriebssysteme: ab Windows 2000 SP3, Linux, Mac OS X
Prozessor: Pentium 4/1 GHz
Arbeitsspeicher: 1 GByte